»klima kunst kultur« – Positionen zum Klimawandel

klimakunstkulturKlimawandel und Kultur? Klimawandel in der Kunst? Was auf den ersten Blick anachronistisch wirkt, entpuppt sich im Buch »Klima Kunst Kultur« des Steidl Verlags als überaus spannendes Projekt und Blick über den Tellerrand: Das von Menschen gemachte Phänomen wirkt sich nicht nur in Umweltveränderung und -zerstörung aus, sondern beeinflusst auch unsere Gesellschaft bis hin zu individuellen Lebensentwürfen zwischen Mobilität, Denkansätzen und Werten. Das schwer fassbare Thema beeinflusst auch Kultur und Kunst: Über die unterschiedliche Auseinandersetzung wird eher Abstraktes erfahrbar, sinnlich erfassbar und damit in seiner Bedeutung verständlich und vorstellbar.

Neben Essays und Interviews setzt »klima kunst kultur« auch auf Einblicke: Fotos lokaler Probleme – und die »story behind«, die Geschichte hinter den Bildern zeigen, wie verwundbar Menschen in ihrer ebenso verwundbaren individuellen Umgebung sind. Beeindruckend die Bildstrecke »Die Badenden« von Michael Tsegaye. Der bis in die 80er Jahre des letzten Jahrhunderts größte See in Äthiopien schrumpft kontinuierlich. Tsegaye zeigt eine verschwindende Welt in seinen Bildern; vergnügt plantschende Kinder in bräunlich-lehmfarbenem Wasser, synonym für die Farben des Malers auf seiner Leinwand. Was bei uns hierzulande eher Irritiation auslöst – aus Gewöhnung an ganz andere, klarere Gewässer und die Assoziation des lehmigen Wassers mit Verschmutzung – konfrontiert den Betrachter der Serie mit der einzigen, wirklich wichtigen Frage: Wie lange noch wird das Wasser des Sees überhaupt noch existieren?

Spannend auch Erika Blumenfelds »The Polar Project«. Schnee und Eis, als weiße Unendlichkeit und Nichtfarbigkeit visuell besetzt, entwickeln in diesem fotografischen Projekt ein beeindruckendes Eigenleben aus Formen und vor allem Farbigkeit. »The Polar Project« ist eine gekonnte Übersetzung physiologischer Wahrnehmung von Licht und Strukturen. Ihre feinen Nuancen zeigen, dass Helligkeit und weiße Leere mitnichten leer sind – sondern ein komplexes Gebilde aus Facetten, Verwerfungen und Reflexionen. Über diese Detailperspektiven der Polarwekt, entstanden im Queen Maud Land der Antarktis, wird über die Auseinandersetzung mit Physik, Physiologie und Ästhetik sichtbar und verständlich, welchen Bedeutung das Verschwinden der polaren Eiswelt hat.

33 Autoren, 33 unterschiedliche Arten der Annäherung an eines der größten Probleme unserer Zeit: 33 spannende Gründe, dieses Buch zu lesen.

»klima kunst kultur«, herausgegeben von Johannes Ebert und Andrea Zell für das Goethe-Institut, ist 2014 im Steidl Verlag erschienen und für 32,– € erhältlich. Mehr Informationen zum Buch (inklusive Einblick in die Publikation) auf der Website des Steidl Verlags.