HeikeRost

Linksammlung 22.3.2013 – Über Photographie

„One of my students recently declared she believed there was nothing to learn from Flusser’s writings on photography.“ Gefunden im Blog des Fotomuseums Winterthur/CH – und passend: Kürzlich empfahl ich bei einer Vorlesung über die Macht der Bilder den Anwesenden die Essays von Henri Cartier-Bresson und Roland Barthes. „Wer will den ganzen ollen Plunder denn noch lesen, das ist doch völlig überholt.“ meinte einer der Studenten.  Eine exzellente Zusammenstellung der Vorlesungen Flussers in Arles 1984 (und einiges Lesenswerte mehr zur Theorie der Bilder) gibt es im Archiv von Flusserstudies.net.

„(…)Namely the fact that linguistic communication, both the spoken and the written word, are no longer capable of transmitting the thoughts and concepts which we have concerning the world. (…) Before the invention of writing, traditional images were used as maps for the world and the structure of images involved a specific way to look at the world…“ Vilém Flusser, 1988 (!).

Begegnungen: Bettina

Bettina ©2013 HeikeRost.com - All rights reserved.Im Café, vertieft ins Gespräch, in einem nachdenklichen Moment: Meine Kollegin Bettina bei ihrem kürzlichen Besuch in Mainz.

Mehr über Bettina Strauss und ihre inspirierenden, wunderbaren Porträts von Schriftstellern, Schauspielern und Künstlern auf ihrer Website.

Notizen von unterwegs: Letzte Wintertage

Wintertag ©HeikeRost.com 16.2.2013 - Alle Rechte vorbehalten.Letzte Wintertage unterwegs: Strahlender Sonnenschein, leuchtend blauer Himmel und wunderbares Licht. Und eine Rückkehr an einen Ort, der mich an die Anfänge meines Berufs als Photographin erinnert; denn die Plastik „Landmarke“ von Brigitte und Martin Matschinsky-Denninghoff, 1975 geschaffen, war Thema einer photographischen Serie, mit der ich die Aufnahmeprüfung des Berliner Lette Vereins bestand.

Foto: ©HeikeRost.com, 16.3.2013 – Alle Rechte vorbehalten.

Berlin Moments: A Beer with Zappa

Zappa ©2013 HeikeRost.com - All rights reserved.From the days of my photographic eduction until today I enjoy those small moments in the pulsating city: Each time I visit Berlin, I take the chance to have a cup of coffee in my favorite brasserie „Zwiebelfisch“. A lovely atmosphere, in some way old fashioned, interesting people from the neighborhood; litterally spoken, the whole place is full of admirable warmth and inspiration. Zappa the tomcat is part of that: Sitting sometimes besides a late evening guest, he seems to share thoughts, from time to time sipping at the vase beside him. Priceless.

©HeikeRost.com 13.03.2013 – All rights reserved.

Bettina Rheims: »Gender Studies«

gender_studiesAm Anfang war vor allem die Stimme: In den Gesprächen mit Menschen, die Bettina Rheims für ihr Projekt „Gender Studies“ via Facebook gesucht hat. Ihre Gemeinsamkeit: Sie alle fühlten sich „falsch im eigenen Körper“, sind unterwegs in ein anderes Geschlecht, nahmen Hormone, ließen sich operieren. Verblüffend für die Fotografin: Dass viele der später Porträtierten jeder Eindeutigkeit verweigerten, um sich täglich neu zu entscheiden. Mann? Frau? Beides ist möglich, so wie jeder Mensch beide Geschlechter in sich trägt. Aus den Stimmen, einziger Anhaltspunkt für eine mögliche Verortung in einer Geschlechterrolle, wurden Bilder und eine beeindruckende , raumgreifende Installation, die noch bis zum 17.5. im NRW-Forum in Düsseldorf zu sehen ist.

Umringt von den Fotografien des Projektes in der Mitte des Raumes zu stehen: Das ist so eigenartig wie fesselnd. Augen und Blicke scheinen den Betrachter zu fixieren, von allen Seiten, als sei er ein fremdartiger Eindringling in einer anderen Welt, umgeben von einer Klangwolke aus vielsprachigen Stimmen. Der Chor ist so bewusst mehrdeutig in seiner Polyphonie wie die Bilder unwirklich schön sind: Bettina Rheims zeigt in ihnen eine androgyne Welt der Grenzgänge zwischen Geschlechterrollen und -grenzen. Zartfarbig wie Porzellan schimmert die Haut der Menschen vor dem weißen Hintergrund. Das Zusammenspiel der Inszenierung aus hautfarbener, sparsamer Kleidung und weichem Licht lässt die Porträtierten zerbrechlich und schwebend wirken: Aus der Wirklichkeit gefallen und seltsam entrückt im Klangteppich ihrer Lebensgeschichten.

„Die Stimme des dritten Geschlechts“ (so Bettina Rheims über die Klanginstallation) löst sich erst zu individueller Sprache auf, nähert man sich den einzelnen Fotografien. Kael mit dem männlich wirkenden Körper, der die Spuren von Operationen zeigt und ahnen lässt, dass sich ursprünglich eine Frau die Brüste abschneiden ließ, um zum Mann zu werden. Dafné mit verlockend weiblichem Gesicht und knabenhaftem Körper räkelt vor der Kamera – und erinnert an ein Gemälde von Caravaggio. Andy mit zwei unterschiedlich frisierten Haarpartien, eine kurzhaarig, eine langmähnig, lange Wimpern und rote Lippen. Ihre Stimmen, die in unterschiedlichen Sprachen die eigene Lebensgeschichte erzählen, changieren in den Tonarten zwischen männlich und weiblich, sind so flirrend uneindeutig wie die jeweiligen Porträts.

Die Symphonie der Stimmen und Bilder spielt mit allen gewohnten Vorstellungen von Geschlechteridentität. Zwischen engelhafter Anmutung und lasziver Pose, mit manchmal beklommenem oder selbstbewusstem Blick ist eine Verortung der fotografierten Menschen unmöglich. Immer bleiben sie in ihrer zerbrechlichen, preisgegebenen Nacktheit geschlechtslos und rätselhaft: Wer ist das? Eine Frau? Ein Mann? Fragen ohne eindeutige Antwort, aus den Bildern der „Transpeople“ entsteht ein neuer Zusammenklang. Das „dritte Geschlecht“, das Bettina Rheims in ihren Begegnungen aufgespürt und inszeniert hat, berührt seine Betrachter mindestens so sehr, wie es verblüfft und verstört. In seiner Leichtigkeit ist Bettina Rheims‘ beeindruckendes Projekt eine Art heller Zwilling einer weitaus düstereren Arbeit – Phil Toledanos Serie »A New Kind of Beauty«, das sich mit Schönheitsidealen auseinandersetzt und Menschen zeigt, die sich ihren Idealvorstellungen mithilfe plastischer Chirurgie anzunähern versuchen.

„Gender Studies“ von Bettina Rheims ist noch bis zum 17.5.2012 im NRW Forum Düsseldorf zu sehen; Öffnungszeiten Di – So. 11 – 20h, Freitags bis 24h.

Weiterführende Links:
Bilder der Serie »Gender Studies« (Google Image Search)
Mehr Informationen zur Ausstellung (Video der NRW-Stiftung)
Bettina Rheims im Interview (»Missy Magazine«, 10/2012)
Phil Toledano »A New Kind of Beauty« (Image and View, 02/2012)

Update:
Der Bildband »Gender Studies« ist 2014 im Steidl Verlag erschienen – mehr Infos auf der Website des Verlags.