Inspiration

Über Inspiration und Kreativität – About inspiration and creativity

Aus dem Bücherregal: »Sehnsuchtsfels Mallorca«

Zwischen hochglanzbunt aufgehübschten Reiseführern, den zahllosen Zeitschriften für Fernweh-Infizierte und Abenteuerlustige und den im Dutzend angebotenen, aufwändigen Bildbänden verbirgt sich glücklicherweise oft genug Überraschendes: In diesem Fall das wunderschöne, leise Buch »Sehnsuchtsfels Mallorca«. Die Gemeinschaftsproduktion der Autorin Charlotte Kerner und der Fotokünstlerin Anja Doehring ist behutsam und liebevoll beobachtet, fängt dennoch auch mit präzisem Blick Macken und Marotten ein, berichtet über Veränderung, Kritikwürdiges und mitunter Verlorengegangenes. Diese Mischung macht das Buch zu einem sehr persönlichen, lesenswerten Porträt einer Insel, deren Wahrnehmung meist von Ballermann und Massentourismus geprägt – und unverzeihlich getrübt – wird.

Ob Momentaufnahmen von Straßen und Dörfern, gänzlich unspektakuläre Landschaftsbilder, Porträts und Details – das Zusammenspiel aus kenntnis- wie detailreichen Geschichten und stillen Bildern verdeutlicht, was der Titel der intensiven Gespräche mit Mallorca-Liebhabern umschreibt: »Warum Mallorca« … nichts von seiner lichtdurchfluteten, lebensfrohen Sinnlichkeit eingebüßt hat, zeitlos schön ist und bleibt. »Hier kann ich nicht losrennen, sondern muss auf den Boden schauen, einen Schritt nach dem anderen setzen, um nicht zu stolpern. Die Bäume zwingen mich langsam zu werden …« schreibt Charlotte Kerber über einen ihrer mallorquinischen Lieblingsplätze unter den alten Bäumen, deren knorrige Wurzeln die alltagsgewohnt eiligen Füße innehalten lassen zwischen Meer und Himmel.

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Einerseits poetisch-literarisch, andererseits süffisant-ironisch und augenzwinkernd, ist das ungewöhnliche Buch der beiden Autorinnen eine Einladung: An die Entdecker unter seinen Lesern, die ein ganz anderes Bild von Mallorca im Kopf haben und die Insel anders entdecken möchten. An diejenigen auch, die schon längst ihr Herz an den Sehnsuchtsfelsen verloren haben und immer wieder kommen, weil sie seinem Zauber verfallen sind. Das Buch eröffnet vielschichtige Einblicke in das reiche Innenleben einer Insel, die Einheimische liebevoll sa Roqueta, »unser Fels« nennen. In die Seele von Mallaroca, die eine Mischung kultureller Phänomene und Brüche, nicht nur historisch bedeutsamer Geschichte(n) mit bisweilen verstörenden Facetten und atemberaubender Schönheit ist. Eine Insel, Sehnsuchtsfelsen eben, zwischen Wald, Meer und Himmel, die berührt und fesselt, Spuren im Herzen hinterlässt – in einer Vielfalt und Sinnlichkeit, die so viele Reiseführer mit ihrer bunt bebilderten Opulenz förmlich erschlagen.

»Més verd que un taronger, més negre que un tros de carbó.« – grüner als ein Orangenbaum und schwarz wie ein Stück Kohle, so lautet eine mallorquinische Beschreibung der Baleareninsel. Wer je die salzige Luft am weiten, blau-goldenen Strand von Es Trenc geschnuppert hat, wer atemlos die steinerne Pracht der Kirchen bewunderte, durch Kiefernwälder und Olivenhaine gewandert ist und in allem die Zeit vergessen hat, der weiß um den Zauber von Entschleunigung und Zeitlosigkeit an diesem Sehnsuchtsort. Und wird das Buch lieben – als Überbrückungslektüre für die Zeitspanne fern der Insel.

Zusätzlich haben Charlotte Kerner und Anja Doehring eine interessante Auswahl weiterführender Lektüre zusammengestellt. Eine umfangreiche Liste im Anhang des Buchs bietet Einblick in die Inspiration der Autorinnen und ist zugleich Begleitung für Neuentdecker und Kenner. Ganz ohne Reiseführer und Kommerz, dafür mit jeder Menge Tipps für Reise- und andere Lektüre und Links auf die Websites porträtierter Künstler und Schriftsteller.

»Sehnsuchtsfelsen Mallorca. Porträt einer Insel« von Anja Doehring (Fotos) und Charlotte Kerner (Text) ist 2016 im Ernst Wasmuth Verlag erschienen und für 34 € im Buchhandel erhältlich.

IF/SummerAcademy 2016: Fotografie mit allen Sinnen

Innenhof Paradeis
Abends in Margreid
Bistro »Sunrise« in Margreid
Paradeis Interieur
Alois Lageder, Chef des Weinguts Tenuta, während des Workshops von John McDermott
Print-Ausstellung im Innenhof des Cason Hirschprunn/Paradeis
Workshop »Fifty Shades of Grey« von Petra Stadler
Barrique-Fässer im Weingut Alois Lageder
Workshop »Fifty Shades of Grey« von Petra Stadler
Paradeis Interieur
Alois Lageder, Chef des Weinguts Tenuta, während des Workshops von John McDermott
John McDermott während seines Workshops
Jäger und Sammler? Fotograf!
Paradeis Interieur
Geraldine Ros bei Paul Leclaires Workshop »Tanz«
Fine Art Printing mit Hermann Will
Innenhof des Paradeis
Paul Leclaire
Klaus Bothe
Workshop »Fifty Shades of Grey« von Petra Stadler
Paradeis Interieur
Beim Workshop »Tanz« von Paul Leclaire
Workshop »Tanz« von Paul Leclaire - mit Geraldine Ros
Workshop »Tanz« von Paul Leclaire - mit Geraldine Ros
Paradeis Interieur
In Margreid/Südtirol
Workshop »Fashion« von Petra Stadler
Paradeis Interieur
Innenhof im Weingut Tenuta
Alois Lageder während des Workshops von John McDermott
Paradeis Interieur
Treppenhaus im Paradeis

Innenhof Paradeis

Abends in Margreid

Bistro »Sunrise« in Margreid

Paradeis Interieur

Alois Lageder, Chef des Weinguts Tenuta, während des Workshops von John McDermott

Print-Ausstellung im Innenhof des Cason Hirschprunn/Paradeis

Workshop »Fifty Shades of Grey« von Petra Stadler

Barrique-Fässer im Weingut Alois Lageder

Workshop »Fifty Shades of Grey« von Petra Stadler

Paradeis Interieur

Alois Lageder, Chef des Weinguts Tenuta, während des Workshops von John McDermott

John McDermott während seines Workshops

Jäger und Sammler? Fotograf!

Paradeis Interieur

Geraldine Ros bei Paul Leclaires Workshop »Tanz«

Fine Art Printing mit Hermann Will

Innenhof des Paradeis

Paul Leclaire

Klaus Bothe

Workshop »Fifty Shades of Grey« von Petra Stadler

Paradeis Interieur

Beim Workshop »Tanz« von Paul Leclaire

Workshop »Tanz« von Paul Leclaire - mit Geraldine Ros

Workshop »Tanz« von Paul Leclaire - mit Geraldine Ros

Paradeis Interieur

In Margreid/Südtirol

Workshop »Fashion« von Petra Stadler

Paradeis Interieur

Innenhof im Weingut Tenuta

Alois Lageder während des Workshops von John McDermott

Paradeis Interieur

Treppenhaus im Paradeis

Vom 24. bis 28. August werden sich engagierte Fotografen voller Leidenschaft an der Südtiroler Weinstraße in die Fotografie vertiefen – mit Spaß und exzellenten Referenten: Die IF/SummerAcademy findet dieses Jahr zum dritten Mal statt.

Als jährliches Highlight der IF/Academy berührt die dreitägige Veranstaltung alle Sinne: bewusst sehen, Spannendes hören, Wein verkosten, Südtiroler Sommer riechen und Fotos produzieren. Die Fotoworkshops, die an allen Tagen jeweils vormittags und nachmittags belegt werden können, bieten den Teilnehmern interessante Begegnungen mit Fotografie, Emotionen, mit Kreativität und Inspiration rund um die Welt der Bilder.

Anders sehen

»Die weltbesten Visualisten oder Fotografen machen genau die Bilder, die sie vorher im Kopf haben.« sagt Coach und Fotograf Rüdiger Schrader, der den Workshop »Visuelles Denken leiten wird. Er hilft, Bilder im Kopf zu entwickeln und zu formulieren. Die Fotografen Paul Leclaire, John McDermott, Uwe Statz, Petra Sagnak, Andreas Marx und Petra Stadler stellen sich mit den Teilnehmern in ihren jeweiligen Workshops den Herausforderungen des »bewussten Sehens«: Wie sieht und reagiert man auf gegebene Lichtverhältnisse oder Szenen, die sich vor den Augen entfalten? Wie verändern ein ungewohnter Einsatz von Objektiven oder der Kamera die Ergebnisse und das, was man eigentlich sieht? Wie kann man das, was man beobachtet und empfindet in eine fotografische Geschichte umsetzen, andere visuell berühren?

Spannendes hören

In sich hineinhorchen, auf seine innere Stimme hören und Ideen formulieren. Zuhören und aus dem Erfahrungsschatz der Experten schöpfen. Vorträge im Kornspeicher, Gespräche mit Fotografie-Enthusiasten im historischen Innenhof oder das abendliche Glas Wein befruchten die Erkenntnisse und Motivation der Teilnehmer. Kritik, Feedback und Portfolio Reviews stehen ebenfalls auf der Agenda. Die Begegnung mit Fotografie wird so auch zur Begegnung mit unterschiedlichsten Menschen und ihren individuellen Sichtweisen – in inspirierender Umgebung.

web_20150829_Margreid-1007241-2Wein schmecken und Südtiroler Sommer riechen

Der Veranstaltungsort der IF/SummerAcademy befindet sich in den ehrwürdigen Mauern des Ansitz Casòn Hirschprunn auf dem Weingut Alois Lageder in Margreid an der Südtiroler Weinstraße. Die umliegenden Weinberge, der traumhafte Innenhof und die blühende Gartenanlage bilden neben der Vineria Paradeis und dem Palazzo aus dem.13. Jahrhundert die bezaubernde Kulisse und schaffen so die besondere Atmosphäre der Veranstaltung. Begleitende Partner oder Familien finden an der Südtiroler Weinstraße eine Fülle an sportlichen und kulturellen Freizeitmöglichkeiten.

web_20150829_Margreid-1007929 Bilder zum Anfassen

FineArtPrinter Hermann Will liefert einen besonderen Service: Er druckt die Bildergebnisse der Workshops aus. An der beliebten »Galerie auf der Wäscheleine« im malerischen Innenhof werden diese Fotos präsentiert. Teilnehmer können ihre Werke in der Hand halten. Bilder zum Anfassen – eine Besonderheit im Konzept der IF/SummerAcademy, die den Erfahrungshorizont ihrer Teilnehmer erweitert, das Vertrauen in die eigene Fotografie stärkt, neue Inspirationen bietet und innovative Impulse setzt.

Für schnelle Entscheider gilt der Frühbuchertarif von 795€ noch bis zum 15. Juli 2016.
Informationen und Buchung über die Website der IF/Academy oder direkt über Claudia Brose.

Begegnungen unterwegs: »Monohydra«

Einblicke in »Monohydra« - ©Hengki Koentjoro 2015 - Alle Rechte vorbehalten.
Es ist ein berückendes, leises, poetisches Buch der Bilder, in denen man versinken kann; eine liebevolle, berührend zarte Hymne an die Schönheit fremder Welten: Luftblasen, die im spärlichen Licht unter Wasser bizarre Figuren und sogar Ringe formen. Fischschwärme, die unter Wasser in abstrakter Schönheit funkeln, Blüten mit Wassertropfen, berührend schlicht und schön eingefangen von einem Meister der Betrachtung – und der Photographie.

Aus »Monohydra« - ©HeikeRost.com - Alle Rechte vorbehalten.

Hengki Koentjoros Buch »Monohydra«, das ich auf der Frankfurter Buchmesse das erste Mal in der Hand hielt, liegt seit einer Weile aufgeschlagen auf meinem Tisch: Mit seiner schnörkellosen Gestaltung, der wortlosen Präsentation der Schwarzweiß-Photographien, ist es zu einem meiner Lieblingsbücher des Jahres 2015 geworden. Zu einem Begleiter für die nachdenklichen Momente, in denen ein Photograph zur Ruhe zurückfindet. Nichts lenkt den Blick ab in diesem Buch der Stille, das mit seinem mattschwarzen Einband, dem ebenfalls matten Druck auf dunklem Papier dennoch ein Buch des Lichts und der Leichtigkeit ist.

»Still waters run deep« schreibt Koentjoro als Einleitung zu »Monohydra«, um auf eine Reise in eine andere Sphäre der Unterwasserwelten zu entführen. In seinem Vorwort schreibt Hengki Koentjoros Kollege und Freund Michael Kenna, es sei ein Privileg, mit den Augen des indonesischen Photographen jene Wunder zu entdecken, die dem bloßen Auge oft verborgen sind und in ihrer Flüchtigkeit zugleich Aufforderung sind, die Wichtigkeit von Langsamkeit und Stille zu wertschätzen.

Wer je tauchen war, weiß um die zerbrechliche, farbenfrohe Schönheit der Bewohner dieser anderen Welt. Und erinnert sich: An die berückende Stille, das bezaubernde Licht der blauen Unendlichkeit unter dem Meer und an die entschleunigte Andersartigkeit aller Bewegung in der Tiefe. »Little fishes swim upstream« – und lassen den Betrachter berührt, nachdenklich und fasziniert staunen.

»Monohydra« von Hengki Koentjoro ist bei Afterhours Books erschienen und über den Online-Shop des indonesischen Verlags erhältlich.

Weiterführende Links:
Hengki Koentjoros Website
Hengki Koentjoro bei Flickr

»Ihr müsst Bilder fressen ohne Ende!«*

Innenhof Paradeis
Abends in Margreid
Bistro »Sunrise« in Margreid
Paradeis Interieur
Alois Lageder, Chef des Weinguts Tenuta, während des Workshops von John McDermott
Print-Ausstellung im Innenhof des Cason Hirschprunn/Paradeis
Workshop »Fifty Shades of Grey« von Petra Stadler
Barrique-Fässer im Weingut Alois Lageder
Workshop »Fifty Shades of Grey« von Petra Stadler
Paradeis Interieur
Alois Lageder, Chef des Weinguts Tenuta, während des Workshops von John McDermott
John McDermott während seines Workshops
Jäger und Sammler? Fotograf!
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Geraldine Ros bei Paul Leclaires Workshop »Tanz«
Fine Art Printing mit Hermann Will
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Paul Leclaire
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Workshop »Fifty Shades of Grey« von Petra Stadler
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Beim Workshop »Tanz« von Paul Leclaire
Workshop »Tanz« von Paul Leclaire - mit Geraldine Ros
Workshop »Tanz« von Paul Leclaire - mit Geraldine Ros
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In Margreid/Südtirol
Workshop »Fashion« von Petra Stadler
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Print-Ausstellung im Innenhof des Cason Hirschprunn/Paradeis

Workshop »Fifty Shades of Grey« von Petra Stadler

Barrique-Fässer im Weingut Alois Lageder

Workshop »Fifty Shades of Grey« von Petra Stadler

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Alois Lageder, Chef des Weinguts Tenuta, während des Workshops von John McDermott

John McDermott während seines Workshops

Jäger und Sammler? Fotograf!

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Geraldine Ros bei Paul Leclaires Workshop »Tanz«

Fine Art Printing mit Hermann Will

Innenhof des Paradeis

Paul Leclaire

Klaus Bothe

Workshop »Fifty Shades of Grey« von Petra Stadler

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Beim Workshop »Tanz« von Paul Leclaire

Workshop »Tanz« von Paul Leclaire - mit Geraldine Ros

Workshop »Tanz« von Paul Leclaire - mit Geraldine Ros

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In Margreid/Südtirol

Workshop »Fashion« von Petra Stadler

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Innenhof im Weingut Tenuta

Alois Lageder während des Workshops von John McDermott

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Treppenhaus im Paradeis

Photographie ist wunderbar, ist Emotion, Leidenschaft, Liebe. Und bedarf vielfältiger Inspirationen: Für das eigene Sehen, für die Ideen, für die Erweiterung des eigenen visuellen Horizonts. In ihrer Konzeption setzt die IF/Academy auf intensiven Austausch: Photographie-Enthusiasten aller Couleur haben sich Ende August zur »IF Summer Academy« getroffen. An einem Ort, der passender nicht sein könnte: Die in Würde gealterten und behutsam restaurierten Räume von Paradeis und Cason Hirschprunn haben ihre ganz eigene Magie aus Licht und Atmosphäre. Aus der Vielfalt der Workshops in Kombination mit langen Gesprächen wird intensive Begegnung: Mit dem Licht, mit Photographie, mit Menschen und Orten.

Daher an dieser Stelle statt vieler Worte … Bilder.

Verbunden mit einem herzlichen Dankeschön:
An die Teilnehmer und Trainer – für die spannenden Gespräche und Begegnungen, die mit dem Ende der Academy noch längst nicht beendet sind, sondern weitergehen.
An Claudia Brose, Klaus Bothe und das Team der IF/Academy – für die gut gelaunte, perfekte Organisation.

Weiterführende Links:

Die Website der IF/Academy
Das Blog zur IF/Academy: Lesenswertes über die Veranstaltung(en) hinaus
Claudia Brose, IF/Academy, über die IF Summer Academy 2015 – mit weiteren Informationen zu den Workshops und Trainern.
Die Facebook-Seite der IF/Academy – mit zahlreichen Eindrücken, Bildern und Beiträgen der Veranstaltung.

Photos: ©HeikeRost.com 08/2015 – Alle Rechte vorbehalten.

* »Ihr müsst Bilder fressen ohne Ende!« ist ein eindrückliches Zitat von Rüdiger Schrader, Fotograf, Trainer und Coach: Was wir fühlen und sehen, welche Bilder daraus entstehen, das ist wichtiger als bloße Technik.

Reflections on Photography

Spider Web. ©HeikeRost.com All rights reserved.
»It’s a question of concentration. Concentrate, think, watch, look and, ah, like this, you are ready. But you never know the culminative point of something. So you’re shooting. You say, “Yes. Yes. Maybe. Yes.” But you shouldn’t overshoot. It’s like overeating, overdrinking. You have to eat, you have to drink. But over is too much.« Henri Cartier-Bresson

I couldn’t agree more to these words. Here are some notes and thoughts from my sketchbook, written over years in photography – and also topics of my upcoming workshops:

If you focus on focus you probably can’t focus.
Too much reflections on camera settings and gear block your attention for life in front of your camera. Think. But don’t overintellectualize. Sense and trust in intuition, for too much reflection can be a serious drawback on the way to deeper insights.

Make your individual choices due to your vision, ideas and concept about images.
I’m definitely not talking about shutter speed, focal length and aperture here. Vision starts before you even grab your camera to make photos. And vision is more about you and your attitude towards life then about camera settings, lenses and post production.

Slow down.
In terms of frames: Why using your camera as a kind of machine gun to make your choices among hundreds and thousands of crappy frames that mirror sloppiness in many aspects? Make your choices, concentrate and focus on each frame you take. See. Listen instead of talking. Silence is a great teacher.
In terms of gear: Great photos don’t necessarily result from the most expensive, presumably »best« camera gear. Your camera is nothing but a tool to make your vision visible to others. But also a tool to learn how to see without a camera. (And certainly this is not a one way road…)

Be familiar with your camera.
Imagine being blindfolded while changing camera settings or grabbing another lens from your camera bag. You fail? Try again. RTFM. Sort your thoughts as well as your camera bag. You still fail? Try harder. And again. You manage that challenge? Great. Go on, make photos. Every day. It’s that simple.

Know who you are.
It’s possibly the most important challenge a photographer could face. Richard Avedon said »My portraits are more about me then about the people I photograph.«. True. The question is not who you are as a photographer – but as a person. Your vision mirrors every tiny bit of you and what you stand for; it reflects your very personal limits, skills and emotions, including uncertainty, anxiety, sulkiness – and your photography does as well.

Get close and in touch.
It’s common to (mis)interprete Robert Capa’s famous quote »If your photos are not good enough you were not close enough.«. Being close doesn’t necessarily mean the aspect of physical distance – but mostly emotional distance. Get in touch, with a look into someone’s face and eyes. Smile. Start a conversation. It’s not that difficult, it’s about mutual respect and trust before you slam your 35mm lens, camera and yourself into someone’s face. With a regard the previous point here: Treat others the way you wish them to treat you. It’s that simple. (Greetings from my Prussian grandmother, by the way.)

Empty your eye memory from rubbish.
Unblock your mind, embrace blankness and open up for imagination instead. Learn about and train the power of perception and observation. Shut your eyes in order to see – referring to Paul Gauguin’s wise words from a painter’s perspective. (And also delete that hoarded tons of crappy, blurry, poorly exposured photographs from your computer…)

Just looking at something is not enough.
Observe. Be attentive with all senses. The more you see beyond the surface, the less equipment you need. The image follows your vision.

Again: Slow down.
Take your time. Thinking of Saul Leiter here: »… in no great hurry.«
Slow down the speed of chronos for the chance of kairos (the greek term Καιρός fits Henri Cartier-Bresson’s »decisive moment«).

Zen is a great concept in life. And also in photography that results from life (which is much more important at the end of the day, though).

Additional links:
»There Are No Maybes« – A great interview with Henri Cartier-Bresson.
»Thusness and Image« – A book by photographer Dennis Cordell who focuses on the image as a form of contemplation.
»Kairos – Phenomenology and Photography« by Chan-fai Cheung (book review on Knut Skjaerven’s blog, e-book available here)
»In No Great Hurry« – »In No Great Hurry – 13 Lessons In Life« is an inspiring film and portrait about photographer Saul Leiter.

Wolfgang Zurborn – »Catch«

Ausschnitt aus »Catch« © Wolfgang Zurborn - Alle Rechte vorbehalten.Flanierend, skizzierend, beobachtend, kombinierend – aus ungewohntem Blickwinkel Versatzstücke des Gesehen neu zusammensetzend, detailverliebt, augenzwinkernd, amüsiert, treffsicher und bisweilen boshaft, ohne bösartig zu sein: Wolfgang Zurborns Bilder seiner neuen Monographie »Catch« sind von spröder Stille und herbem Reiz. Ihre Komposition und Geschichten erschließen sich nicht sofort dem Betrachter, sind widerspenstig, entziehen sich dem ersten Blick, bedürfen der Atempause und Stille, der Rückkehr und erneuten Konzentration auf die Motive. Legt man das Buch aus den Händen, bleiben sie dennoch wie mit feinen Widerhaken versehen in den Gedanken präsent.

»Catch« ist als Titel der sechsten Monographie Zurborns so hintersinnig und doppelbödig wie dessen Photographien selbst. »Catch« bedeutet Trick – so wie viele der Bilder, die buchstäblich trickreich aus ungewöhnlicher Perspektive photographiert ebenso ungewöhnliche Momentaufnahmen sind: Einladungen zu Entdeckungsreisen und Spaziergang in den Details, den eigenen inneren Geschichten ebenso auf der Spur wie den visuellen Notizen des Photographen. Mitgenommen und erjagt auf seinen photographischen Wanderungen, bezeichnet »Catch« auch die Beute des Sehens. Bunt und fröhlich in ihrer Farbigkeit sind diese Unterwegsfunde, sind Lebensspuren, (ein)gefangen mit der Kamera und komponiert zu grafischen Strukturen. Ihr frappierender Klang ähnelt bisweilen einem fernen Echo von Martin Parr, ohne dessen Getösigkeit ahnen zu lassen: Die Serie »Catch« ist weitaus zarter, behutsamer und stiller erspürt und beobachtet.

»Catch« bezeichnet auch den Fanghaken einer Angel; ein treffendes Bild für augenfesselnd sensible Bilder, die zur Wiederkehr einladen, zum Nachspüren der skizzierten Mosaike, der atmosphärisch dichten Versatzstücke von Alltagsleben und Straßenbildern auffordern und den Photographie-Liebhaber buchstäblich an der Angel haben. Spitzblättrige rote Tulpen mit Fußgängerschatten auf blauem Grund: Den Frühlingshimmel gleichsam zu Füßen, erinnert dieses Bild an die unbeschwert bunte Welt eines David Hockney. Elegante Haarteile in einem Schaufenster: Aus Einblicken und Durchblicken fügt Wolfgang Zurborn eigentümlich berührende, vielschichtige Collagen zusammen, die zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit irisieren. Immer wieder bilden diese Montagen Paare – mit ebenso vielen Unterschieden wie Gemeinsamkeiten; ein Spiegelbild der Gedankenwelt eines leidenschaftlichen Beobachters, Sammlers und Jägers mit untrüglichem Spürsinn, ein Kaleidoskop der oft übersehenen, sehenswerten Details.

Es sind die kleinen Dinge, die uns davon erzählen, wie groß das Leben ist…

Ausstellungen mit Arbeiten aus der Serie »Catch« sind hier zu sehen:

11.6. bis 30.8.2015 im Kunstmuseum Moritzburg in Halle/Saale
20.6. bis 20.9.2015 im Museum Angewandte Kunst, Frankfurt (im Rahmen der Ausstellung »Ray 2o15 Fotografieprojekte Frankfurt/Rhein-Main)

Von Capoeira und Jogo Bonito: »Wo wir Weltmeister wurden«

schrader-8902Manche Bücher liegen eine ganze Weile auf meinem Schreibtisch: Sie sind wie Reisende, die lange unterwegs waren und erst einmal ankommen möchten, im Regal und in den Gedanken, später in den Worten eines Beitrags hier im Blog oder anderswo. Weil es Zeit braucht, um ihnen gelassen zuzuhören und Muße, um mit ihren Bildern und Geschichten auf eine Reise zu gehen, die weiter führt als nur zwischen zwei Buchdeckel und in die Seiten hinein. Eine Entdeckungsreise, die fesselt und fasziniert, die berührt und anrührt: Rüdiger Schraders Bildband »Wo wir Weltmeister wurden« ist ein solches Werk. Entstanden in den turbulenten Wochen der Fußball-WM 2014, zeichnet der Band ein vielschichtiges, überaus lebendiges Porträt eines Landes hinter den Kulissen der WM und jenseits des kurzlebigen Ballkünstler-Glamours.

Es sind Einblicke in brasilianisches Alltagsleben zwischen »Jogo Bonito« und Capoeira, inmitten von Favela-Tristesse mit Drogenhandel, Verfall und Armut, auf Bolzplätzen zwischen Hochhäusern, an Marktständen und auf Plätzen, Skizzen der Fußballverliebtheit in den Stadien, am Strand und in den Wasserbrachen der verregneten Spielplätze. In ihren Essays und Geschichten zeichnen Kollegen, Wegbegleiter und Freunde des Autors die Ereignisse rund um die Weltmeisterschaft nach; aus den Texten über persönliche Erlebnisse, aus Gedanken und Notizen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, entsteht ein kenntnisreiches und unterhaltsames Puzzle der nachdenklichen Blicke auf die Glitzerfassade des Fußballs, auf Fans, Fotografen und den Trubel der Weltmeisterschaft. Es hätte ein kurzlebiges, hochglanzbuntes Vergnügen werden können, dieses Buch, ein schnelllebiges Sammlerstück der WM-Geschichte, das man anfasst, durchblättert, zur Seite legt, vergisst – und vermutlich irgendwann einmal völlig überrascht im Regal wiederfindet.

Capoeira, Brasilien - ©Ruediger Schrader 2014. Alle Rechte vorbehalten.

Wären da nicht die ungewöhnlichen Bilder von Rüdiger Schrader. »Farbe im herkömmlichen Sinn hätte nicht funktioniert, selbst Schwarzweiß wäre Anmaßung gewesen.« sagt er – und hat mit diesem Bildband eine Zeitreise unternommen; zurück zur Fotografie, back to the roots im besten Sinne einerseits. Und andererseits in die Seele des südamerikanischen Landes und dessen dunkle Seiten. Es sind nicht nur brasilianische Momentaufnahmen jenseits touristischer Perspektiven, die den Reiz des Fotobandes ausmachen, es sind vor allem die in ihrer schlichten Zurückhaltung so berührenden Charakterstudien und Begegnungen, über die Rüdiger Schrader erzählt. Bilder wie das Porträt einer jungen Frau, die sechs Tagen und fünf Nächten mit einem kleinen Schiff auf dem Amazonas unterwegs ist, nach Tabatinga, einer entlegenen Stadt nahe der kolumbianischen Grenze. Vielleicht dauert ihre Reise noch länger, zum Spiel »ihrer« Fußballmannschaft, das hängt ganz von den Launen der Urwaldflüsse ab. »La Rainha do Futebol«, in dieser Verkleidung steht eine andere junge Frau vor dem Stadion und hofft, als Staffage der Fußballkönigin auf Touristenfotos ein bescheidenes Trinkgeld zu verdienen. Die Kinder der Favelas, die im Morgengrauen mit Stoffbällen und Fallrückziehern von einem ganz anderen Leben träumen, einem glanzvolleren, besseren Leben mit Fußball, der Leidenschaft für diesen Sport und einer hellen Zukunft. Detailversunken sind diese Bilder, hintergründig und doppelbödig laden sie dazu ein, in und mit ihnen spazierenzugehen. In düsterer Melancholie, mit präzisem Blick nähert sich Rüdiger Schrader dennoch voller Respekt dem Land und seiner Seele, macht seine Ansichten zu behutsamen Einsichten.

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»Bei ihm beten sie alle« erzählt Rüdiger Schrader im filmischen Kurzporträt seines Kollegen Dieter Roeseler über einen Augenblick der Stille zu Füßen von »Cristo Redentor« auf dem Corcovado. Es ist genau diese Art der leisen, sensiblen Betrachtung des leidenschaftlichen Fotografen Schrader (der sich ohne seine Kamera nackt fühlen würde) die »Wo wir Weltmeister wurden« zu einem zeitlosen Werk macht. Zu einem Buch der Geschichten, das man auch lange nach der Fußballweltmeisterschaft immer wieder aufblättert kann; das mit ganz eigener Stimme erzählt und seinen Betrachter immer neue Nuancen entdecken lässt, in diesem auch sperrigen Buch, das man ab und an aus der Hand legen muss, um tief Luft zu holen. Weil nicht alle Geschichten immer und jederzeit heiter sind, so wie die Perspektive durch Hochhausschluchten auf winzige Fußballspieler am Strand: Eine beklemmende Metapher des Blicks in die Abgründe des WM-Gastgeberlandes. Einsichten eröffnet dieser sehr persönliche Reisebericht auch in den Menschen Rüdiger Schrader. Die Begegnung mit dem wohl berühmtesten brasilianischen Fußballfan, der nach dem verlorenen Spiel seier Mannschaft die Attrappe des WM-Pokals unter Tränen einer jungen Deutschen reicht, gehört zu diesen berührenden Innensichten dazu: Auch wegen Fritzi, der jungen Frau – sie ist Rüdiger Schraders Tochter.

In seinen Kurzvideos porträtiert der Fotograf und Filmemacher Dieter Röseler Rüdiger Schrader: »Strandfußball in Brasilien«, »Der Finaltorschütze« und »Vaterstolz«

»Wo wir Weltmeister wurden«, November 2014/Kettler Verlag, ist für € 34,90 im Buchhandel erhältlich.

Weiterführende Links:
»Wo wir Weltmeister wurden« – Kettler-Verlag
Rüdiger Schrader im Netz.

Fotos: ©Rüdiger Schrader – Alle Rechte vorbehalten.

»klima kunst kultur« – Positionen zum Klimawandel

klimakunstkulturKlimawandel und Kultur? Klimawandel in der Kunst? Was auf den ersten Blick anachronistisch wirkt, entpuppt sich im Buch »Klima Kunst Kultur« des Steidl Verlags als überaus spannendes Projekt und Blick über den Tellerrand: Das von Menschen gemachte Phänomen wirkt sich nicht nur in Umweltveränderung und -zerstörung aus, sondern beeinflusst auch unsere Gesellschaft bis hin zu individuellen Lebensentwürfen zwischen Mobilität, Denkansätzen und Werten. Das schwer fassbare Thema beeinflusst auch Kultur und Kunst: Über die unterschiedliche Auseinandersetzung wird eher Abstraktes erfahrbar, sinnlich erfassbar und damit in seiner Bedeutung verständlich und vorstellbar.

Neben Essays und Interviews setzt »klima kunst kultur« auch auf Einblicke: Fotos lokaler Probleme – und die »story behind«, die Geschichte hinter den Bildern zeigen, wie verwundbar Menschen in ihrer ebenso verwundbaren individuellen Umgebung sind. Beeindruckend die Bildstrecke »Die Badenden« von Michael Tsegaye. Der bis in die 80er Jahre des letzten Jahrhunderts größte See in Äthiopien schrumpft kontinuierlich. Tsegaye zeigt eine verschwindende Welt in seinen Bildern; vergnügt plantschende Kinder in bräunlich-lehmfarbenem Wasser, synonym für die Farben des Malers auf seiner Leinwand. Was bei uns hierzulande eher Irritiation auslöst – aus Gewöhnung an ganz andere, klarere Gewässer und die Assoziation des lehmigen Wassers mit Verschmutzung – konfrontiert den Betrachter der Serie mit der einzigen, wirklich wichtigen Frage: Wie lange noch wird das Wasser des Sees überhaupt noch existieren?

Spannend auch Erika Blumenfelds »The Polar Project«. Schnee und Eis, als weiße Unendlichkeit und Nichtfarbigkeit visuell besetzt, entwickeln in diesem fotografischen Projekt ein beeindruckendes Eigenleben aus Formen und vor allem Farbigkeit. »The Polar Project« ist eine gekonnte Übersetzung physiologischer Wahrnehmung von Licht und Strukturen. Ihre feinen Nuancen zeigen, dass Helligkeit und weiße Leere mitnichten leer sind – sondern ein komplexes Gebilde aus Facetten, Verwerfungen und Reflexionen. Über diese Detailperspektiven der Polarwekt, entstanden im Queen Maud Land der Antarktis, wird über die Auseinandersetzung mit Physik, Physiologie und Ästhetik sichtbar und verständlich, welchen Bedeutung das Verschwinden der polaren Eiswelt hat.

33 Autoren, 33 unterschiedliche Arten der Annäherung an eines der größten Probleme unserer Zeit: 33 spannende Gründe, dieses Buch zu lesen.

»klima kunst kultur«, herausgegeben von Johannes Ebert und Andrea Zell für das Goethe-Institut, ist 2014 im Steidl Verlag erschienen und für 32,– € erhältlich. Mehr Informationen zum Buch (inklusive Einblick in die Publikation) auf der Website des Steidl Verlags.

Lucien Clergue 1934 – 2014

Aux Arènes d'Arles

Aux Arènes d’Arles – Hommage à Lucien Clergue – ©HeikeRost.com

Erinnerungen an Arles: Lucien Clergues Serie »Tauromachie« im Kopf, seine wunderbaren Stierkampfbilder, die mich an Picassos Zeichnungen erinnerten, so anders waren als die Skizzen des Malers und doch im Gleichklang – voller Sinnlichkeit, Bewegung und Poesie. In der südfranzösischen Mittagshitze spielten damals in der Arena von Arles zwei Jungen. Stierkampf, Kinderträume, eine Choreographie aus Linien, tänzerischer Grazie, aus Schatten und Licht des Südens. Eine leere Arena – und doch die Anmutung von Applaus aus den leeren Zuschauerreihen.

Damals traf ich Lucien Clergue, der während der Rencontres im Musée Réattu seine Bilder zeigte. Ein warmherziger, humorvoller Gesprächspartner, mit Lachfältchen um die funkelnden Augen. Einer, der mir in seinen Bildern Inspiration und Lehrmeister war: Seine Liebe zum Licht, zu Linien und Formen erinnerte mich immer an die Ursprünge der Photographie, an »photos« und »sgraphein«. Ein Lichtmaler war Lucien Clergue, ob in seiner Serie »Tauromachie«, den lichtdurchdrungenen Landschaften der Camargue, seinen respektvoll-behutsamen Annäherungen an die Gitânes der Region oder den Porträtserien von Jean Cocteau und Pablo Picasso, mit denen ihn eine lebenslange, inspirierende Freundschaft verband.

Arles - Hommage à Lucien Clergue - ©HeikeRost.com

Fontaine de l’Obelisque, Arles – Hommage à Lucien Clergue – ©HeikeRost.com

Beeindruckend auch Lucien Clergues Aktfotos, seine Körperlandschaften im Spiel von Licht und Schatten. Insbesondere eine der späten Serien des Meisters, die 2007 entstandenen »Nus Zèbres« seien hier erwähnt; ihre konsequente Abstraktion macht menschliche Körper zu einer Komposition aus Linien und Formen, ist eine photographische Erforschung von Schönheit und Erotik. Die 1962/63 Architekturphotographien »Brasilia« bilden zu dieser Serie einen spannenden Kontrapunkt: Beide Arbeiten sind nicht nur Positionen und Pole des photographischen Schaffens und der Bandbreite Lucien Clergues. Gemeinsam ist ihnen die spielerische Leichtigkeit, die gestalterische Reduzierung, mit der Clergue den Betrachter verführt, den Schwingungen seiner Bilder zu folgen, in ihen gleichsam spazieren zu gehen und selbst zum Forscher und Entdecker zu werden.

Lucien Clergue, Photograph und Gründer der Rencontres d’Arles, ist im November 2014 gestorben.

Weiterführende Links:

Lucien Clergue – Biographie und Portfolio
Lucien Clergue – »Les Nus Zèbres«
Lucien Clergue – »Brasilia«

Fundstücke von unterwegs

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Es sind die kleinen Funde in den verfallenen, verlassenen Häusern, die soviel vom gewesenen Leben der gewesenen Bewohner erzählen, dass mir manchmal der Atem stockt und ich mich als Störenfried der Stille fühle. Zufallsfunde wie dieser, entdeckt, weil ein Lichtstreifen durch einen geöffneten Fensterladen das Metall aufblinken ließ. Wessen Hand mag diesen Ring getragen haben? Wer ist das Paar in dem kleinen Medaillon? Wurde das Schmuckstück an feiner Goldkette um den Hals getragen? Von wem? Wessen Kleid schmückte die zierliche Brosche?

Bedeckt von Staub und dicken Spinnweben bin ich seit einer Weile immer wieder unterwegs in ländlichen Regionen, suche und finde. Mit Faszination, auf Zehenspitzen und bisweilen Trauer: Weil so viele Lebensspuren unwiderbringlich verloren gehen, Kultur und Geschichte(n), mit den alten Häusern und den Menschen, die fast ebenso unbemerkt vergehen wie ihr Lebensumfeld. Es wird ein langes Projekt werden, diese Arbeit.

Photo: ©HeikeRost.com 17.6.2014

Update aufgrund mehrerer Anfragen:
Ich gebe keine Adressen dieser Häuser weiter. Die Orte habe ich übrigens immer mit Wissen und Zustimmung der Erben, Verwalter oder Besitzer besucht und durchstöbert – und werde das auch zukünftig so handhaben.

Mich interessiert weniger die verfallende Architektur im Sinne von »urban decay« und »Schönheit des Verfalls«. Viel spannender und vielschichtiger sind diese kleinen Funde, die ich ohne das uneingeschränkte Vertrauen der Besitzer oder Verwalter nicht entdecken könnte. Weil mir das Betreten der Häuser ebenso erlaubt wird wie das Öffnen von Schränken, Kisten und Kästen. Ohne Zeitdruck, ohne Einschränkung, mit Vertrauen und im sicheren Wissen, dass ich achtsam und respektvoll mit dem Gefundenen umgehe.