Inspiration

Über Inspiration und Kreativität – About inspiration and creativity

Notes – Zen in Photography (03)

The decisive moment is always a combination of time and chance. Referring to greek terms, time is dual: One part is chronos – the operative part, which can be measured in hours, minutes, seconds. The other is kairos – which also could be defined as serendipity. Both can not be divided from each other.

Give serendipity a chance; be attentive in observance with all your senses, with eyes and ears and nose … and intuition. The topic today is: Slow down the speed of chronos – for the chance of kairos.

Fundstück (74) – Über Perfektion

“Die Tatsache, dass eine technisch fehlerhafte Fotografie wirksamer sein kann als ein technisch fehlerloses Bild, wird auf jene schockierend wirken, die naiv genug sind zu glauben, dass technische Perfektion den wahren Wert eines Fotos ausmacht.” (Andreas Feininger)

Es ist immer der Mensch. In diesem Fall die Gedanken, Gefühle und Assoziationen desjenigen hinter der Kamera.

Fundstück (72) – Zen on portraiture

Great find, inspired by norwegian photographer Knut Skjærven: The photographs of Dennis Cordell. He writes about his beginnings in painting (as many photographers do) and his switch to photography. I’d like to quote a part of his text here, because it is essential and describes the way I work – and love to work! – within photography, no matter whether landscape, abstract compositions or portraiture, which is my favorite subject matter of photography:

„For me, composing the portrait through my viewfinder is homologous with the Indian notion of darshan.Literally, darshan implies “to see” or “sight.” But more specifically darshan is concerned with an event in consciousness that creates an interaction between the seer and the seen. Thus darshan heightens consciousness.“

The complete text can be found here. (And thank you, Knut, for an inspiring discussion! Thoughts alike will gravitate towards each other. Insofar I don’t believe in mere chance – but in serendipity 😉 …)

Fundstück (71) – On perfection…

‎“The fact that a (in the traditional sense) technically deficient photograph can have greater emotional impact than a technically flawness picture probably comes as a shock to those who are naive enough to believe that technical exellence alone is a measure of a value of a photograph.“ (Andreas Feininger, The Color Photobook 1969)

Inspiration (71) – „Terra Cognita“

2009, München: Ein schlanker, grauhaariger Herr begrüßte mich mit freundlichem Lächeln, festem Händedruck, einer angedeuteten eleganten Verbeugung. Beim Kaffee plauderten wir entspannt, die Fortsetzung eines wunderbaren Gesprächs, das wir Wochen zuvor am Telefon führten. Ein Kaleidoskop von Eindrücken blieb von unserer Begegnung; als „schwierig“ gilt Konrad R. Müller, bisweilen als distanziert und verschlossen. Nichts von alledem habe ich mit ihm erlebt, sondern an diesem regnerischen Münchner Nachmittag einen überaus beeindruckenden Menschen kennen gelernt. Gänzlich unprätentiös, charmant, voller Humor, das Gespräch war ein Parforceritt durch Kultur, Literatur und Malerei. „Das ist kein Mann, das ist ein Herr!“ hätte meine preußische Großmutter über den Künstler geurteilt.

In den Bildern Konrad R. Müllers findet der Betrachter den Blick eines Malers wieder, ob in Licht und Schatten seiner schwarzweißen Fotografien oder deren Komposition. Bevor er sich eher zufällig der Fotografie zuwandte, studierte Müller an der Berliner Hochschule der Bildenden Künste – Malerei. Legendär ist seine Verweigerung künstlicher Lichtquellen, der Arbeit im Fotostudio. Aus der Beharrlichkeit seiner stillen Beobachtung entstehen Bilder, immer Schwarzweiß, voller Respekt, Einfühlungsvermögen, die mit ihrer Genauigkeit des Blicks fesseln und berühren. “Ein Konrad R. Müller knipst nicht. Der wartet. Der sagt: Zeit ist mein Gut.“ schrieb die Zeit 1998 in einem Porträt über ihn.

Konrad R. Müller allerdings ausschließlich als den „Kanzlerfotografen“ zu bezeichnen, wird dem Künstler nicht im mindesten gerecht. Denn weitaus beeindruckender noch als seine Porträts der deutschen Bundeskanzler sind „die anderen“ Bilder, die im Auftrag vieler Magazine entstanden: Stillleben, Landschaftsfotografien, Reportagen. Seine Serie „Incognita“ zeigt Präparate aus dem Medizinisch-Historischen Museum der Berliner Charité; die einzelnen Aufnahmen missgebildeter Föten erinnern an die Gemälde von Hieronymus Bosch, Francisco de Goyas „Pinturas Negras“ oder an Francis Bacon. Auch die Reportage über einen Außenseiter ist ein spannendes Dokument des grandiosen Bildjournalismus: Stille Fotos, die in keinem Moment den Respekt vor dem Menschen verlieren. Sie erzählen die ergreifende und traurige Geschichte von Gratian, dem „Werwolf“ in den rumänischen Karpaten.

Ein Teil dieser Bilder ist im Buch „Terra Cognita“ (Steidl Verlag Göttingen, 2000) erschienen, das neben einer Auswahl der berühmten Kanzlerbilder auch Reportagen und beeindruckende Porträts, beispielsweise von Luis Trenker, zusammenfasst. Es ist zugleich Katalog der gleichnamigen Ausstellung, die 2000 im Deutschen Historischen Museum gezeigt wurde.

Über das Licht: Gaspard-Félix Tournachon

Unzählige Male habe ich über die Magie des Lichts geschrieben in diesem Blog; auch über meine Leidenschaft, es zu erspüren, zu fühlen, zu malen mit der Kamera, in meinen Bildern. Darüber, dass man die technischen Grundlagen der Photographie in kurzer Zeit lernen kann – nicht aber das Gefühl für das Licht, für die Seele der Momente und Bilder. Heute blätterte ich in einem wundervollen Buch, eine Neuerwerbung für meine ganz persönliche „Bibliothek der Inspiration“. Den Kopf voller Ideen und Funkenflug für einen Buchbeitrag über Photographie und Bildjournalismus, die Teetasse auf dem Tisch vor mir, für die mäandernden Gedanken. Gewissermaßen ein Schulterklopfen, ein augenzwinkerndes Schmunzeln aus den Buchseiten heraus war dann dieses Fundstück:

„Die Theorie der Photographie kann man in einer Stunde lernen, die Grundlagen der Praxis an einem Tag. Was man indessen nicht lernen kann, ist das Gespür für das Licht … Wie das Licht auf dem Gesicht liegt – dies muß man als Künstler erfassen. Man kann auch nicht lernen, wie man die Persönlichkeit des Modells erfassen soll. Um ein intimes Abbild und nicht bloß ein banales Porträt, das Ergebnis eines schieren Zufalls, hervorzubringen, muß man sich in sein Modell hineinversetzen, muß seine Gedanken und sogar seinen Charakter erfassen…“ schrieb Gaspard-Félix Tournachon. Er verzichtete auf Retusche, überflüssige Requisiten, konzentrierte sich ganz auf den Menschen und dessen Innenwelten, schuf unter seinem Künstlernamen Nadar grandiose Porträts. Und schrieb diese zeitlosen Zeilen – im Jahr 1856.

(Über das erworbene Buch werde ich noch bloggen – versprochen.)

Wie alles anfing, damals…

Damals war ich unterwegs, auf einer Fahrt in die Provence, über die Autobahn bis Nîmes. Auf der Kuppe des letzten Hügels, bevor die Fahrt wieder bergab geht, blieb ich stehen, versunken: Dort streckt sich weit die Ebene. Der Blick schweift hinaus bis fast zum Meer in der Ferne, man ahnt es im Dunst am Horizont. Sehen kann man es noch nicht. Lichtdurchflutet, in unwirklicher Klarheit, zum Greifen nah in jedem Detail bietet sich das Panorama dem Betrachter dar. Sehen, schauen, erleben, unzählige Male gemalt, immer wieder anders, immer wieder andere Farben, anderes Licht in den vielen Bildern der Maler. Die kahlen Felsen von Les Baux; und la Montagne St. Victoire, Inspiration Paul Cézannes und vieler anderer Künstler. Sie alle waren dort, sind wieder fortgegangen und immer wieder gekehrt, gefangen von der Faszination der lichtdurchfluteten, funkelnden Luft.

Über duftenden Lavendelfeldern und Rosensträuchern schwebt dort flirrend ein Leuchten und Strahlen. Die mediterrane Sonne streichelt üppige Farben aus kleinsten Kleinigkeiten hervor, ein Kaleidoskop der Abstufungen von sanfter Zartheit bis lebhafter Buntheit. Die Farbe wird in der Landschaft, auf den Gegenständen und Straßenpflastern zu plastischer Substanz, als könne man sie greifen und daraus wie ein Töpfer auf seiner Drehscheibe mit den Händen das Neue formen, das die Augen zuvor sahen. Licht und Schatten tanzen miteinander in berückendem Wechsel, zwischen den schlanken Säulen des Kreuzgangs von Saint Trophime in Arles und anderen Orts. Zwischen antiken Steinen zeichnet das Lichtspiel Geschichten vergangener und heutiger Tage in den Sand, auf das Kopfsteinpflaster der alten Städte. Sehen, schauen, erleben, gleichzeitig in der Wortlosigkeit versinken … und verstehen. Das Licht so malend, sind die Künstler der Provence gewissermaßen daran schuld: An meiner Liebe zum Licht, die ich damals im Midi weiter entdeckte, die mich nie wieder losgelassen hat bis heute.

Und heute? Bin ich wie damals viel unterwegs. Mein Blick wird konzentrierter, meine Bilder stiller. Zugleich wächst meine Abneigung gegen Photoshop-Spielereien und rechnergenerierte Abbildung immer mehr. Ich bin davon überzeugt, dass die technische Perfektion mancher Werke die Seele des Bildes tötet; und verschleiert, dass vielen Photographen die Kunst der Betrachtung, des genauen Hinsehens, des Erspürens der Bilder und der Blick wohl abhanden kam. Ich denke an Peter Handke und sein wunderbares Buch „Die Lehre der St. Victoire“, in dem er sich auf so einzigartige wie beeindruckend einfühlsame Weise dem Künstler Cézanne nähert. Ein schönes, passendes Zitat hat mir heute Guido Augustin geschenkt: „Eine Welt in einem Sandkorn zu sehen und einen Himmel in einer Wildblume, die Unendlichkeit in der Hand zu halten und die Ewigkeit in einer Stunde“ (William Blake)