Moment

Entscheidende Momente – Decisive moments

Notes from Abroad: The steps

An afternoon walk with a friend (who visited me for the weekend) ended at one of my favorite places: The long staircase ascends from the city to a historically distinct area of Mainz. Although one has to wait for a while, as the steps are not a quarter as vibrant, the staircase and its surrounding always remind me of the many steps at Montmartre in a way.
I’m looking so much forward to visit Paris again in a few months! This photo is a small reminiscence to my memories of the 18.th arrondissement…

©HeikeRost.com 23.6.2013 – All rights reserved.

Walking the Cat

»Walking the cat« ©HeikeRost.com 2008 - All rights reserved. Companions, enjoying the sunshine and a drink in one of the little cafés of Strasbourg en Alsace. A funny moment of twinkles and smiles in some ways, because I’ve never seen anybody »walking the cat« before. And besides: the coffee was really excellent!

©HeikeRost.com 2008 – All rights reserved.

Netzfunde aus Absurdistan

Unter dem Eindruck des Massakers von Newton stellt die Plattform openculture.com Michael Moore’s Film „Bowling for Columbine“ zur Verfügung. Anbei der Screenshot des Youtube-Links vom 17.12.2012, 8.30h MEZ. Widersinniger geht’s nicht.

Anbei einige Links:

„Bowling for Columbine“ (französische Version, komplett)
Aus „Bowling for Columbine“: Charlton Heston, former president of NRA/National Rifle Association im Interview mit Michael Moore

Der Klick auf den Screenshot führt zum Beitrag auf openculture.com. 

„Blinder Fleck“ in Alben: Private Momente jenseits aller Bilder


Vor einiger Zeit stöberte ich in privaten Fotosammlungen von Freunden und Verwandten. Online und in Fotoalben war ich auf der Suche nach den wesentlichen Aspekten, die Menschen ablichten. Immer sind das Lebensmomente, die als wichtig empfunden werden; Glück, Liebe, Freunde, berufliche und private Erfolge. Aus den Bildern ergibt sich ein buntes Mosaik des Festhaltens und Dokumentierens flüchtiger Zeit. Als wertvoll empfundene Lebensstationen, deren Wertschätzung sich auch in der Sammlung manifestiert: Ein Verlust privater Fotoalben ist ein schmerzlicher Moment. „…mein Leben ist verbrannt.“ sagte ein Kosovare während eines Interviews mit dem amerikanischen Psychoanalytiker Richard Akeret, der sich ausführlich mit Bildsprache beschäftigte. Ob das verlorene Haus, der Tod von Verwandten und Freunden – am schlimmsten wog für den Mann der Verlust der Bilder, die sein Leben dokumentierten.

Meine Gründe für diese Recherche waren damals sehr persönlich: Auf inständiges Bitten der Familie habe ich bei der Beerdigung eines guten Freundes fotografiert. Viele Gedanken und Skrupel bescherten mir damals eine schlaflose Nacht. Ich habe mich dann dafür entschieden, Bilder zu machen. Überflüssig zu erwähnen: Es war der schlimmste, anstrengendste Auftrag meines Lebens. Zwischen eigener Trauer über den Tod des Freundes und Grenzüberschreitung im Hinblick auf das Tabu „Tod und Beerdigung“, offen angefeindet von Trauernden, die nichts wussten vom Wunsch der Familie und mich nicht kannten, war das eine sehr belastende, schmerzliche Gratwanderung. Als Fotografin mittendrin, zwischen anderen Trauernden, die meine Präsenz als Affront auffassten. Meine Kamera war ernsthafter Störfaktor und zugleich Schutzschild für mich. Das Bild im Sucher seltsam entfernt, die Kamera zwischen mir und dem Geschehen; Rotz und Wasser geheult habe ich trotzdem während der Arbeit. Und würde mich heute jemand fragen, ob ich von einer Beerdigung Fotos machen würde: Ich wüsste keine Antwort, jedenfalls nicht auf Anhieb.

Auf die Thematik bin ich kürzlich wieder aufmerksam geworden: Ein Beitrag für das französische Blog „La vie sociale des images“ beschäftigt sich mit dem „blinden Fleck“ in der privaten Fotografie. „Rituale ohne Bilder“ ist ein lesenswerter Denkanstoß, denn der einzige fotografische Moment während einer privaten Beerdigung ist  ein Bild des Verstorbenen, das einzige Bindeglied zu seiner physischen Existenz. Ausgenommen von Bildern am Grab prominenter Toter gibt es im privaten Umfeld keine Kameras, kein Foto des Geschehens, wiewohl der endgültige Abschied von einem Menschen zu den wohl wichtig(st)en Momenten im Leben gehört. Im Spannungsfeld des gesellschaftlichen Tabus ist ausschließlich die Erinnerung an den Lebenden präsent – im Foto am Sarg, während der Trauerfeier oder auf dem Grab. Und so, wie wir im Alltagsleben den Tod verdrängen, weigern wir uns offenbar auch, ihm eine dauerhaft bleibende Rolle in unseren privaten Bildern einzuräumen: Das Bewahren flüchtiger Momente in Bildern bezieht sich selbst in der allgegenwärtigen Präsenz von Kameras und Fotografie nicht auf diesen einen Moment.

Weiterführende Links:

Walter Schels, „Noch mal leben“: Eine beeindruckende und respektvolle Porträtserie, entstanden in Sterbehospizen. Die mehrfach gezeigte Ausstellung wurde sehr kontrovers diskutiert: Darf man Tote porträtieren? (Ja – wenn das so behutsam geschieht wie bei Walter Schels.)
Culture Visuelle/La vie sociale des images: „Un rituel sans images“ (21.11.2012, Sylvain Maresca – Link auf die englische Version im Text.)
New Orleans Funerals: Ein ganz anderer Umgang mit dem Thema – in Bildern.
Richard Akeret, „Photolanguage“: Buchrezension bei PsychatryOnline/The American Journal of Psychiatry
Richard Akeret, „Photolanguage“, erschienen bei W.W. Norton & Company, 2000 (nur als englischsprachige Ausgabe erhältlich)
»Rudolf Schäfer – Der ewige Schlaf« (Verlag Josef Chladek, 2014)
»The Lost Ritual of Photographing the Dead« (Hyperallergic, 18.6.2015)

Steigeisen in der Eiger-Nordwand: Über Portraitphotographie

Yousuf Karsh, einer meiner Lieblingsphotographen, erzählte die Geschichte seines berühmten Portraits von Winston Churchill. Sie macht deutlich, worin die eigentliche Kunst eines Portraitphotographen besteht: In der gezielten Interaktion mit dem Menschen vor der Kamera. Nicht in perfekter Ausleuchtung, nicht in Studioatmosphäre und technischen Details, sondern einzig in der Verbindung zwischen zwei Menschen, die aus einer sorgfältig ausbalancierten Mischung aus Intimität, Humor, Empathie und gelegentlich einer Prise Respektlosigkeit besteht. Yousuf Karsh, der während des Portrait-Termins mit Winston Churchill einen freundlichen älteren Herren vor sich hatte, der partout nicht dem Bild des machtgewohnten, durchsetzungsfähigen Politikers entsprach, nahm den britischen Premierminister damals kurzerhand die Zigarre weg. Et voilà, der passende Gesichtsausdruck, kurz vor Schluß eines bis dato eher unspektakulär verlaufenen Termins.

Überzeugende Portraits sind nichts als ein Nebeneffekt einer starken, zwischenmenschlichen Verbindung zwischen Photograph und Portraitiertem. Dazu gehört nicht nur Einfühlungsvermögen, sondern auch eine gemeinsame Wellenlänge. Über knappe Regieanweisungen für Blickrichtungen, Kopf- und Körperhaltungen hinaus, selbst jenseits des bloßen Smalltalk: Mit vielen meiner Kunden führte ich unglaublich intensive Gespräche; bei einem Vorabtermin zum ersten Kennenlernen, genauso während des Photographierens. Oft sind neugierig-erstaunte Reaktionen auf meine eher spartanische Arbeitsweise der erste Einstieg: Ich setze selten mehr als zwei Objektive ein, immer natürliches Licht, oft mache ich nur wenige Aufnahmen. Am Anfang steht die Idee, geboren aus Gehirnarbeit, Wissen über die Person, Nachdenken. Auf dem Weg zum Porträt dann die Gespräche. „Steigeisen setzen in der Eiger-Nordwand“, so nenne ich das. Blindlings drauflospreschen bedeutet unweigerlich Absturz – ob am Berg oder beim Portrait. Meine „Steigeisen“ sind die Dialoge über alles mögliche, über Kunst und Kultur, Philosophie, über Zigarren und Rotwein, manchmal über witzige Erlebnisse. Beim Termin mit Alfred Brendel spielten ein Nobelhotel, dessen Klimaanlage und ein Kamel die entscheidende Rolle, bei Martha Argerich ihr magnetischer Blick, meine abgestreiften Schuhe und die gleiche Zigarettensorte. Mitunter auch eine Horde Maulwürfe, die den bevorzugten Golfplatz eines Managers völlig verwüstete: Erst seine düstere Miene machte das Bild zum überzeugenden Portrait.

Es ist immer wieder spannend für mich, welche Bandbreite sich in diesen Momenten ergeben kann. Im Gespräch und in dessen Widerhall in den Bildern. Von den ersten zögerlichen Schritte aufeinander zu, über das Abbröckeln der Distanz zwischen zwei Menschen bis zu einer manchmal für beide Seiten sehr überraschenden Nähe – alles ist möglich. Manchmal ist das Machtkampf, elegantes Fechtduell, düstere Erotik … auf Leben und Bild. Menschenkenntnis gehört dazu, die Fähigkeit, sich einzulassen auf andere, sich dem Gegenüber zu öffnen. Wissen über den Menschen vor der Kamera ebenfalls, über seinen Hintergrund, Hobbies, Vorlieben und Abneigungen. Kultur und Kultiviertheit, denn nichts langweilt so sehr wie unintelligente Gesprächspartner, die im Übermaß „keine Ahnung von nichts“ besitzen. Immer gehört auch eine Prise dessen dazu, was ich in übermütigen Momenten als „klarsichtige Anwandlung“ bezeichne, seit Jahren geübt, trainiert und vertieft, um mit dieser Fähigkeit angemessen umzugehen: Mein Gegenüber damit zu verblüffen ist einfach. Aber ein unsensibler Umgang damit kann Respektlosigkeit und Grenzüberschreitung sein, kann bedeuten, einen Menschen in die Enge zu treiben und zu entblößen. Schluss, aus, Ende – mit Vertrauen und Portraits. Sehe ich jemandem in die Augen, ins Gesicht, sehe ich oft im gleichen Moment ein Bild vor meinem inneren Auge. Dann reicht mir ein einziger Satz, mitunter nur ein Wort oder ein Blick, um aus Erkenntnis und Sicherheit heraus imaginäres Eis zu brechen. Und dann genügen einige wenige Bilder, weil „mehr“ schlicht überflüssig ist: Viermal auslösen, Joan. Punktum.

Die Kamera, die Ausrüstung sind Nebendarsteller – in äußerst untergeordneten Rollen. Immer. Und: Das muss so sein.

Weiterführende Links:
Yousuf Karsh im Netz
Yousuf Karsh: Das berühmte Churchill-Portrait
Lieblingsbilder: Alfred Brendels Kamel
Lieblingsbilder: Martha Argerich

Die Langfassung dieses Textes ist unter dem Titel „Mal eben Bilder machen – Irrtümer in Sachen Fotografie“ veröffentlicht worden: Universalcode – Journalismus im digitalen Zeitalter, erschienen 08/2011.

Momente im Museum …

Im Museum, der Kunst halber; fast noch spannender als Gemälde, Installationen und Kunstwerke: Die Bilder um die Kunst herum. Für einen Moment innehalten, beobachten. Stille, keine Schritte auf dem Parkett. Stattdessen ein Augenzwinkern, ein Lächeln – und ein Foto.

Flattr, Kachingle und Co. – Aufräumen zum Jahresende

„Was ist das denn?“,“Wer?“ oder gleich „Hä?“: Reaktionen auf Buttons und Erwähnung der hoffnungsvoll gestarteten Micropayment-Dienste Kachingle und Flattr, die ich hier im Blog über knapp zwei Jahre ausprobiert habe. Schon seit einigen Zeit ist Kachingle deaktiviert, Flattr folgt, ebenso wie der Kaffeekassen-Button: Das Prinzip freiwilliger Bezahlung für dieses Blog hat sich für mich erledigt. Hauptsächlich, weil ich zwischen Porträtphotographie, Reportagen und Photo.Kunst mit und von meiner Arbeit als Photographin und Bildjournalistin lebe. Auch, weil durch das Blog seit geraumer Zeit zunehmend Kunden für gänzlich andere Auftragsarbeit auf mich aufmerksam wurden. Vorträge, Texte zum Thema Photographie, Bildwirkung und Wahrnehmung, im Team mit Partnern aus anderen Fachbereichen, Moderationen von themenbezogenen Veranstaltungen für unterschiedliche Auftraggeber ergänzen die rein photographische Arbeit, Tendenz steigend.

Ein guter Zeitpunkt also, sich von einem freiwilligen Selbstversuch zu verabschieden. Die durch Kachingle und Flattr generierten Einnahmen bewegten sich in eher geringfügiger Höhe, weswegen ich sie zur Finanzierung anderer Blogs und Websites direkt wieder reinvestiert habe: Weil die Gebühren für die Überweisung an mich einen beträchtlichen Teil der Klickhonorare verschluckt hätten. Weil ich damit die Wertschätzung anderer Blogleser für mein Blog weiterreichen konnte. Aber auch, weil Details wie zu bezahlende Mehrwertsteuer und entsprechende Verbuchung in der Freiberufler-Buchhaltung mit einem Zeitaufwand verbunden waren, der in keinem Verhältnis zum Ertrag der Buttons und Banner stand. Das ist eigentlich schade, weil ich das Prinzip des Micropayment nach wie vor für eine gute Sache halte. Detailliert hat das kürzlich Thomas Wiegold, Journalist und Blogger, auf seinem privaten Weblog beschrieben. Auch Vera Bunse hat in ihrem Blog dazu gepostet.

Statt auf freiwillige Klicks und Refinanzierung durch zu wenige Nutzer zu warten, gefällt mir gezielte Aktivität besser: Die Umsetzung interessanter Aufträge, die Neuentwicklung von Projekte gemeinsam mit Kunden beispielsweise. 2011 war ein Jahr voller Veränderung, das Aufräumen, Ballast abwerfen und Entrümpeln in jeder Hinsicht gehört dazu. Dieses Blog ist und bleibt das, was es von Anfang an war und sein sollte: Repräsentativ für die Bandbreite meiner Arbeit in Text und Bild – und Antwort auf die Frage „Wer ist eigentlich diese Lichtmalerin?“. Fortsetzung folgt 2012. Es gibt viel zu tun, es bleibt spannend und ich freue mich darauf.