Notes

Notizen zur Photographie – Notes about Photography

Reflections on Photography

Spider Web. ©HeikeRost.com All rights reserved.
»It’s a question of concentration. Concentrate, think, watch, look and, ah, like this, you are ready. But you never know the culminative point of something. So you’re shooting. You say, “Yes. Yes. Maybe. Yes.” But you shouldn’t overshoot. It’s like overeating, overdrinking. You have to eat, you have to drink. But over is too much.« Henri Cartier-Bresson

I couldn’t agree more to these words. Here are some notes and thoughts from my sketchbook, written over years in photography – and also topics of my upcoming workshops:

If you focus on focus you probably can’t focus.
Too much reflections on camera settings and gear block your attention for life in front of your camera. Think. But don’t overintellectualize. Sense and trust in intuition, for too much reflection can be a serious drawback on the way to deeper insights.

Make your individual choices due to your vision, ideas and concept about images.
I’m definitely not talking about shutter speed, focal length and aperture here. Vision starts before you even grab your camera to make photos. And vision is more about you and your attitude towards life then about camera settings, lenses and post production.

Slow down.
In terms of frames: Why using your camera as a kind of machine gun to make your choices among hundreds and thousands of crappy frames that mirror sloppiness in many aspects? Make your choices, concentrate and focus on each frame you take. See. Listen instead of talking. Silence is a great teacher.
In terms of gear: Great photos don’t necessarily result from the most expensive, presumably »best« camera gear. Your camera is nothing but a tool to make your vision visible to others. But also a tool to learn how to see without a camera. (And certainly this is not a one way road…)

Be familiar with your camera.
Imagine being blindfolded while changing camera settings or grabbing another lens from your camera bag. You fail? Try again. RTFM. Sort your thoughts as well as your camera bag. You still fail? Try harder. And again. You manage that challenge? Great. Go on, make photos. Every day. It’s that simple.

Know who you are.
It’s possibly the most important challenge a photographer could face. Richard Avedon said »My portraits are more about me then about the people I photograph.«. True. The question is not who you are as a photographer – but as a person. Your vision mirrors every tiny bit of you and what you stand for; it reflects your very personal limits, skills and emotions, including uncertainty, anxiety, sulkiness – and your photography does as well.

Get close and in touch.
It’s common to (mis)interprete Robert Capa’s famous quote »If your photos are not good enough you were not close enough.«. Being close doesn’t necessarily mean the aspect of physical distance – but mostly emotional distance. Get in touch, with a look into someone’s face and eyes. Smile. Start a conversation. It’s not that difficult, it’s about mutual respect and trust before you slam your 35mm lens, camera and yourself into someone’s face. With a regard the previous point here: Treat others the way you wish them to treat you. It’s that simple. (Greetings from my Prussian grandmother, by the way.)

Empty your eye memory from rubbish.
Unblock your mind, embrace blankness and open up for imagination instead. Learn about and train the power of perception and observation. Shut your eyes in order to see – referring to Paul Gauguin’s wise words from a painter’s perspective. (And also delete that hoarded tons of crappy, blurry, poorly exposured photographs from your computer…)

Just looking at something is not enough.
Observe. Be attentive with all senses. The more you see beyond the surface, the less equipment you need. The image follows your vision.

Again: Slow down.
Take your time. Thinking of Saul Leiter here: »… in no great hurry.«
Slow down the speed of chronos for the chance of kairos (the greek term Καιρός fits Henri Cartier-Bresson’s »decisive moment«).

Zen is a great concept in life. And also in photography that results from life (which is much more important at the end of the day, though).

Additional links:
»There Are No Maybes« – A great interview with Henri Cartier-Bresson.
»Thusness and Image« – A book by photographer Dennis Cordell who focuses on the image as a form of contemplation.
»Kairos – Phenomenology and Photography« by Chan-fai Cheung (book review on Knut Skjaerven’s blog, e-book available here)
»In No Great Hurry« – »In No Great Hurry – 13 Lessons In Life« is an inspiring film and portrait about photographer Saul Leiter.

»Die Hölle, das sind die anderen«

430418_10150567517812797_371510741_nSeit dem Absturz der GermanWings-Maschine und den ersten Nachrichten laufen meine Telefonleitungen heiß. Es sind Bekannte und Freunde, die anrufen und schockiert sind über das, was sie in den Nachrichten sehen und lesen. Überwiegend sind das Menschen, die mit »den Medien« nur als Leser und Zuschauer zu tun haben, die ich manchmal »nur« virtuell kenne, aus Diskussionen in den Sozialen Netzwerken. Viele Kollegen aus unterschiedlichen journalistischen Bereichen, mich eingeschlossen, beziehen dort Position, stellen sich berechtigter Kritik, hören zu und führen Debatten, versuchen idealistische Kontrapunkte zu setzen, gegen alle Anwürfe, gegen Beschimpfungen und »Lügen-Presse«. Oft hadern wir mit den Bedingungen und Veränderungen unseres Berufs, den wir dennoch lieben; zweifeln an Berichterstattung, deren moralische Angemessenheit eine gänzlich andere sein kann als presserechtliche Korrektheit.

Es sind mittlerweile knapp 48 Stunden voller Fragen, begleitet von Links und gescannten Zeitungsausschnitten. »Du bist doch in diesem Presserat, was hältst Du davon?« Zunehmend gehen mir die Antworten aus. Stammelnde Moderatoren mit mechanischem Lächeln und leerem Blick, Spekulationen, merkwürdige Glossen und Kollegen, die sich in ihren Kommentaren als empathiefreie Wesen entpuppen, lassen meine Worte versiegen. Ich habe aufgehört zu zählen, wie oft ich die Website des Presserats genannt, das Beschwerdeverfahren erklärt habe. In die Geschäftsstelle des Presserats ergießt sich eine Flut von Beschwerden, die nicht abreißt. Manche Anrufer bitten darum, der als unerträglich empfundenen Berichterstattung endlich Einhalt zu gebieten. Auf Facebook, das normalerweise zu meinem Leben als Journalistin und Autorin gehört wie eine Art virtuelles Caféhaus, bin ich momentan bestenfalls als Mitleserin unterwegs, auf Twitter derzeit gar nicht mehr. Es gibt eindeutig ein Zuviel im Virtuellen. Zeit für Schweigen.

Befreundete Kollegen flüchten nach Redaktionsschluss in den Feierabend, suchen das Gespräch mit mir. In den stillen Pausen höre ich manchmal Tränen am anderen Ende der Telefonleitung. Gestandene Reporter erzählen von den Bildern, den Nachrichten und legen manchmal mittendrin auf, weil Reden nicht mehr geht. Schon zu normalen Zeiten sind es bis zu zehntausend Fotos, die über die Agenturen in die Redaktionen geliefert werden. An Tagen wie diesen gibt man das Zählen auf. Sortieren, bewerten und gewichten des Unfassbaren ist harte, anstrengende Arbeit, auf der Suche nach der angemessenen, »richtigen« Berichterstattung. Die Trennlinie zwischen notwendiger Information und boulevardesker, Grenzüberschreitung ist fließend und hauchdünn, die Reaktionen von Lesern und Zuschauern sind mittlerweile brachialer denn je.

Maßstab des Zerrbildes »Journaille« sind nicht diejenigen Kollegen, die zwischen Pressekodex und Haltung versuchen, ihrem Anspruch an die eigene Arbeit gerecht zu werden. Es ist immer die größte anzunehmende Entgleisung »der Medien«, die sich selbst in bislang als seriös geltende, sich so gerierende Tageszeitungen breitmacht. Die hasserfüllten Beschimpfungen bis hin zu Gewaltdrohungen sind der anderen Teil dessen, was alle Journalisten aushalten müssen, ungeachtet des »Wie« ihrer Arbeit. Die Bewältigung traumatischer Situationen gehört ebenso dazu wie das eigene, menschliche und moralische Scheitern. Darüber redet keiner; nicht diejenigen, die berechtigt kritisieren, auch nicht diejenigen, die selbst bei kleinen, durch Redaktionen angemessen korrigierten Fehlern die Verbalkeule »Lügen-Presse« schwingen. Schon gar nicht Journalisten selbst. Zwischen Controllern, Juristen, Zeitungssterben und kaputt gesparten Redaktionen einerseits, dem Ringen um Auflagen und Quote andererseits ist das Mitgefühl auf der Strecke geblieben: Vor allem der Berichterstattung, die aus der Kenntnis eigener Grenzen die Grenzen anderer respektiert – und innehält. Schweigt, wo es nichts zu sagen gibt außer unbestätigten Meldungen und Vermutungen.

»Wir sind seit langem nicht mehr füreinander da, in unserem Arbeitsalltag, als Kollegen.« Ein kluger Satz, bedrückend wahr, formuliert von einem Journalisten, den ich lange kenne und der überraschend zu einem Freund wurde. Ich habe mich in den letzten 48 Stunden seit dem Absturz der GermanWings-Maschine oft daran erinnert.

Seit 2002 gehöre ich dem Deutschen Presserat an, gewählt von meinen Kollegen des Deutschen Journalisten-Verbands. Angetreten bin ich mit viel Idealismus und Liebe zum Journalismus. Sich berechtigter Kritik zu stellen, den Dialog mit Lesern, Kollegen und Freunden zu führen, gehört dazu. Und auch wenn der Presserat vielen seiner Kritiker wahlweise als »zahnloser Tiger«, Elfenbeinturm oder »ewiggestrig« gilt, sollte der Pressekodex und das, was er beschreibt, wesentliche Grundlage journalistischen Alltags sein. Mir ist das wichtig genug, um dafür sechs ehrenamtliche Sitzungstage im Jahr und zusätzlich mindestens sechs ehrenamtliche Vorbereitungstage zu investieren, dafür knappe Freizeit zu nutzen. Oder auch in journalistischen Seminaren, in Workshops und Vorlesungen, auf Diskussionspodien und im persönlichen Gespräch über Werte zu diskutieren und den Versuch zu machen, das vor allem jungen Kollegen zu vermitteln.

An Tagen wie diesen bleibt ein persönliches Fazit, das nicht nur den letzten 48 Stunden geschuldet ist, sondern eine längere Vorgeschichte hat, ob 9/11, Winnenden, Breivik oder IS. Es ist ein überaus widerwärtiges und bedrückendes Gefühl, wenige Stunden nach manchen katastrophalen Ereignissen zu ahnen, was der Schwerpunkt der nächsten Presseratssitzung sein wird. Im Wissen, dass andere, weitaus schlimmere Dinge oft nur eine Fußnote der Debatte bleiben, obwohl auch sie eine ausführliche Erörterung verdient hätten. »Audiatur et altera pars«, beide Seiten sind zu hören, gilt für sämtliche Beschwerden, die beim Deutschen Presserats vorgebracht werden. Aber selbst nach langen Jahren im Presserat und der Beschäftigung mit Beschwerden aller Art finde ich es oft furchtbar, den Wortlaut mancher Schreiben aus Chefredaktionen und Verlagsjustiziariaten zu lesen.

An die moralische, emotionale Kälte, mit denen Verlage bisweilen für die Unbegründetheit von Beschwerden argumentieren, kann es nie eine Gewöhnung geben.

(Um beim Titel dieses Beitrags, den ich bei Jean-Paul Sartre entliehen habe, zu bleiben: Die Hölle sind nicht die anderen, sondern wir selbst. Es liegt an uns, dem etwas entgegenzusetzen und sinnvoll zu verändern.)

Weiterführende Links:

Die Website des Deutschen Presserats mit allen Informationen von Pressekodex bis Beschwerde und öffentlich zugängiger Recherchendatenbank.

Die deutschsprachige Seite des Dart Centre, die sich mit traumatischen Erfahrungen von Journalisten beschäftigt und Hilfe bei deren Bewältigung anbietet.

Keine Links hingegen zu negativen Beispielen der Berichterstattung. Es gibt keinen Grund für deren weitere Verbreitung.

Update – Netzstimmen zum Thema

»Gefühlter Journalismus« (Wolfgang Michal, 1.4.2015)
»4U9525 und Medien – Ein Einwurf aus dem Internet« (Christoph Kappes, 31.3.2015)
»Umgang der Medien mit Schülern und Angehörigen« (Mika Baumeister, 30.3.2015 – zur Einordnung: Mika Baumeister ist Schüler am Joseph-König-Gymnasium, Haltern am See)
»Der Journalismus existiert nicht mehr« (Hans Hoff, DWDL, 29.3.2015)
»Medien – Absturz – Ethik. Eine Kritik der Medienkritik.« (Alexander Filipovic, Netzwerk Medienethik, 27.3.2015)
»Die verlorene Ehre der schreibenden Zunft« (Meike Lobo, »Frau Meike sagt«, 27.3.2015)
»Witwenschütteln. Berichterstattung in Zeiten von BILD-Intelligenz« (Lilian Kura aka »Textzicke«, 27.3.2015)
»Appell an die Chefredaktionen: Witwenschütteln – Das wollt Ihr alle nicht erleben« (Sandra Schink, Facebook/öffentlich zugängig, 26.3.2015)
»Die Medien und der Absturz« (Bettina Schmieding, Deutschlandfunk, 26.3.2015)

Was ist eigentlich … Erfolg?

©2013 HeikeRost.com - All rights reserved.

Wenn ein Mensch, den ich porträtiert habe, sein Bild sieht und staunt. Über sich selbst. Oder auch darüber, sich in meinen Fotos wiederzufinden. Oder sich neu entdeckt, sich das erste Mal schön findet. Manchmal sitzt da jemand, der herzlich und voller Freude lacht. Gelegentlich einer mit Tränen in den Augen. Oder jemand, der beharrlich schweigt und erst einmal zu einem Spaziergang flüchtet, des Abstands zu sich selbst wegen. Zu meinen Bildern, die nicht Repro, nicht Spiegelbild sind, sondern Einsichten, Innensichten, die ihre Wurzeln in Nähe und Vertrauen haben.

Wenn mir im Lieblings-Café (wo immer wieder Bildserien von mir hängen) eine ältere Dame erzählt, dass sie täglich vorbeikommt auf einen Kaffee und ein Stück Kuchen; mittlerweile einen Stammplatz unter einem meiner Bilder hat. Sie schaut es an, Tag für Tag. Und sagt: »Dieses Foto macht jeden Tag für mich besonders.«

Wenn jemand, der in der Gegend aufwuchs, in der einige meiner Landschaftsbilder entstanden sind, sagt: »Ich kenne dort jeden Stein. Aber so berührend habe ich diese Landschaft, die ich mein Leben lang kenne, noch nie gesehen.«

Wenn jemand eins meiner Bilder anschaut. Stumm davor steht, minutenlang. Durch den Raum geht, wieder zurückkehrt zu diesem einen Bild. Es ansieht, darin eintaucht und spazierengeht. Mich zum Abschied anlächelt, so als ob die Sonne in seinem Herzen und in seinem Kopf aufgegangen sei. Schweigend. Nicht weil es keine Worte gäbe, sondern weil sie überflüssig sind in diesem Moment.

web_Paris_HeikeRostcom_Madame_Print

Wenn jemand ein Bild von mir kauft. Mir hinterher schreibt, dass es dieses eine sein musste und nur sein konnte.
Mir erzählt, dass er dafür gespart hat. Weil: »Dieses!« Und dass es jetzt in seiner Wohnung einen besonderen Platz hat, einen, auf den jeden Tag sein Blick fällt: Das Foto einer Straße in Paris ist Glücksbringer, Begleiter in den Tag – und für seinen glücklichen Besitzer tägliche Erinnerung, was ihm wichtig ist in seinem Leben.

Wenn Menschen, die ich einige Tage mit der Kamera begleiten durfte, mich zu einem abendlichen Treffen einladen. Die Kinder »aus schwierigem Umfeld«, die mit häuslicher Gewalt, Missbrauch und sozialem Absturz aufwachsen. Die einsamen kleinen Wölfe: Gemeinsam haben sie Pizza für mich gemacht. Lachende Gesichter und Wärme, wo sonst Leben auf der Straße ist, Leid und Aggression.

Wenn ich wie bei einer Reportage im Gefängnis Menschen treffe, an die ich mich erinnere, als seien die Begegnungen gestern gewesen. Mit denjenigen zu reden, die oft jahrelang auf ein paar wenigen Quadratmetern verbringen, über das Leben, ihr Überleben, auch das von Herz und Seele, das war oft anstrengend, immer aber sehr vielfältig und intensiv. Blaue Kleidung tragen die Menschen, der Knast versucht sie alle einförmig gleich zu machen. »Danke« murmelte einer dieser Menschen. Verdutzt habe ich gefragt, wofür. »Für Ihren Respekt, für das ‚Sie‘. Und für Ihre Freundlichkeit.« Er verabschiedet sich, umfasst mit beiden Händen meine Hand. Für einen Augenblick spüre ich seinen Herzschlag in diesen kraftvollen, eleganten Händen – die einem anderen Menschen den Tod gebracht haben.

Erfolg, das sind für mich all diese Erlebnisse, die mir Denkanstöße, Inspiration und Kraft schenken; die mich auch dann beflügeln, wenn glatte Wege manchmal unerwartet Haken schlagen und sich als holperige Piste herausstellen.

»…Wenn du in unverzeihlicher Minute
Sechzig Sekunden lang verzeihen kannst:
Dein ist die Welt – und alles was darin ist
Und was noch mehr ist – dann bist du ein Mensch!«*

* Zitiert aus Rudyard Kiplings Gedicht »Wenn«, hier von Dennis Hopper vorgetragen.

Nachtrag, gerade im Netz gefunden: »The best teachers teach from the heart – not from the book.«

Happy New Year!

web_heikerostcom_sails
Some photos belong to my favorites, for they are connected to books and writers, that always had a special meaning for me since I read them first. Among them is Mark Twain, who wrote the most encouraging words I know:

»Twenty years from now you will be more disappointed by the things that you didn’t do than by the ones you did do. So throw off the bowlines. Sail away from the safe harbor. Catch the trade winds in your sails. Explore. Dream. Discover.«

For years, these words are part of my growing pocketbook collection. I always had a serious crush on writing; making notes of all the stories I literally spoken stumble upon while traveling, being on the road, working. 2014 has been a year of challenges, of serious reflection and changes – in terms of photography, work and personal aspects.

Time to leave 2014 behind: With gratitude for so many encounters and conversations with the kind and interesting people I met. With happiness about so many shared inspirations, thoughts, insights. I feel very blessed, for these are the important aspects of life for me.

I look ahead and forward to 2015 – it will be a most interesting year between photography, writing, bilingual workshops, teaching and lectures. Stay tuned, there will be much to discover and explore!

Here’s wishing you all a splendid, sparkling, dazzling, healthy, happy and wealthy 2015.

©HeikeRost.com 09/2013 – All rights reserved

The Importance of Gearing Down

fb_000007
Maybe the biggest plus of those who know both worlds, analogue AND digital: you don’t unlearn certain things. Reasons for me to spend a »gear down« day at the countryside, including a fully mechanic medium format camera body, one lens, a single roll of film, 12 frames possible – and some reflections afterwards.

– Carrying too much gear is mostly a sign of insecurity and missing reflection on the topics a photographer is interested in and and also of missing reflection on the story a photographer wants to tell. (The closer I am to all this, the smaller my camera bag can be.)

– „Chimping“ is nothing but a bad attitude. Don’t get me wrong here: it’s ok to have a look at some shots when on assignment and in doubt of proper lighting. An experienced photographer knows about moments and photos – for the heart skips a beat.

– Last but not least: Fortunately, there is no right or wrong. The only reason to make choices is definitely a matter of the right tool for the photos and for the intention of the story a photographer wants to tell.

Even in times of digital I still shoot film and would never consider to sell my analogue gear. The choice of cameras, formats and lenses always depends on the idea I have about the resulting photos. Referring to HCB, who used to say »sharpness is a bourgeois concept«, the perfection of noiseless photos could be the same. »Can you please add some noise or grain, this looks way too clean.« Clients‘ words, not mine. Smile.

Some more reading here: »Why I’ve Gone Back To Shooting Film… And Why You Should Too« (08/2014, David Geffin at Leicaphilia)

Photo: ©HeikeRost.com 31.8.2014 – All rights reserved.

Although I normally don’t discuss technical aspects for the sake of the image itself, here is my recipe of photographic straightforwardness of the photo above: Mamiya C330, 80mm lens, Kodak TMax 100 B&W (found in the film fridge and definitely out-dated). Exposure 1/500s, f 8, orange filter at 200 ISO. D-76, no crop, no additional enhancement via LR or else, this is the raw scan (except black frame and watermark).

Notizen von unterwegs: »Monte Kali«

web_20140830_KaliFulda-7029-2
Oft bin ich staunend über die Fremdkörper in der Landschaft durch Hessen und Thüringen gefahren; die grauen Berge, die im Sonnenlicht weiß schimmern, erinnern an Mondlandschaften in ihrer kahlen Schroffheit. »Irgendwann hinfahren«, eine Notiz im Kalender, der Gedanke an »irgendwann ein paar Bilder machen« meist verschoben zugunsten anderer, wichtigerer Dinge, einige Male haderte ich vor Ort mit dem eher profanen Licht der Rhön, das nicht einmal ansatzweise meinen Gedanken über »Monte Kali« (so nennen die Einheimischen den Berg) gerecht wurde.

Und dann eine samstägliche Reportage für einen Kunden in der Gegend; nach getaner Arbeit ist draußen plötzlich ein aberwitziges Licht zwischen dunklen, fast schwarzen Wolken. Sonnenflecken huschen über die Landschaft und lassen sie mitsamt der Halde unwirklich leuchten. Die Suche nach einem passenden Standort ist eine Kombination aus GPS und unglaublichem Glück; an einer Baustelle leiht mir ein hilfsbereiter, fotoverrückter Handwerker seine Leiter, um aufs Flachdach des Rohbaus zu klettern. Freie Sicht auf »Monte Kali« und seine atemberaubend düstere Schönheit, die zugleich etwas Bedrohliches hat. Keine fünfzehn Minuten dauert das grandiose Schauspiel, dann löst sich die schwarze Wolkenwand in weiße Schäfchenwolken auf, die Landschaft ist wieder harmlos sonnig.

Photo: ©HeikeRost.com 30.8.2014 – All rights reserved.

Fashion Design Meets Visual Illiteracy

Website Zara - Screenshot 27.8.2014
A serious case of visual illiteracy, lack of history knowledge, both – or complete goofyness of stylists and fashion designers? In any case, this is completely inappropriate for any kind of »fashion item«.
P.S.: Some years ago, ZARA has been forced to withdraw »Swastika« handbags from the shelves.

Additional links:

Users‘ comments on ZARA’s official Facebook fan page (visible also for those who aren’t Facebook users)
»ZARA withdraws Swastika handbags« (BBC, 2007)
ZARA bosses forced to withdraw ‚Swastika‘ handbags (Daily Mail, 2007)
Different styles of »sheriff badges« (Google Image Search)
With a regard to history:
The Yellow Badge (Wikipedia, additional links there)
Replica of a CC camp uniform (Jewish History Museum, Southern Arizona)
Memorial and Museum Auschwitz-Birkenau (»Camp Objects« A prisoner’s uniform)

Update 27.8.2014:
»Une étoile jaune sur un t-shirt, Zara au cœur de la polémique« (Europe1, 27.8.2014)
»Striping resemblance: Zara tee looks like Holocaust garb« (Haaretz, 27.8.2014)
»L’énorme faute de goût de Zara« (Le Matin/CH, 27.8.2014)
»Gelber Stern als Designfeature« (Süddeutsche, 27.8.2014)
»Zara entschuldigt sich für gestreiftes Kindershirt mit gelbem Stern« (NZZ, 27.8.2014)
»ZARA apologizes, says yellow star shirts will be ‚exterminated’« (Dimi Reider, 27.8.2014)
»Zara Pulls Striped Shirt After Complaints That It Looks Like A Concentration Camp Uniform« (Consumerist, 27.8.2014 – referring to similar cases)

nolongerZara Kopie
ZARA’s comment on Facebook:
»The mentioned T-shirt is no longer on sale in our stores. We honestly apologize, as the design of the T-shirt was only inspired by the sheriff’s stars from the Classic Western films, as the claim of the t-shirt says. Again, please accept our most sincere apologies.« (What about thoughts before instead of apologies afterwards? Just asking…)
ZARA answers to Twitter users

Talking Finds

Moments when the heart skips a beat, because the resting items in abandoned houses represent so much of a family history. Like these three generations of bridal pairs – the former owners‘ great-grand-parents, grandparents and parents, still standing on the dressing table and silently watching the photographer who explores and discovers the traces of vanished lives at the abandoned house.

©HeikeRost.com June 2014 – All rights reserved.

Nicht-Sehen, Nicht-Hören und die Kraft des Berührens

20140623_HeikeRostcom_5069
Reportagetage der anderen Art: Nicht-Sehen. Nicht-Hören. Die Begegnung mit blinden und sehbehinderten Menschen, mit gehörlosen Kindern und Erwachsenen eröffnet Einblicke. »See without looking«, das Zitat aus W.H. Audens wunderbarem Werk, fällt mir ein: Das Berühren, ob mit Händen oder dem Herzen, öffnet Einblicke auf einer anderen Ebene des Sehens. Zum Abschied nach intensiven Gesprächen, Bildern und Momenten schenkt mir eine blinde Dame eine Tafel mit dem Braille-Alphabet: »Wie schön, dass Sie bei uns waren. Danke.«

»Hear without listening«, hören ohne zuzuhören, auch dieses Auden-Zitat geht mir durch den Kopf: Angekommen in einer anderen Klangwelt aus Bewegungen und Geräuschen, zwei Tage zu Gast bei Menschen, die nicht hören können, mit Gebärdensprache und Lippenlesen. Ich entdecke viele Brücken, angefangen bei meiner visuellen Prägung und Kultur als Photographin mit einem visuellen Gedächtnis, das sich bei vielen Momenten des Gebärdens erinnert – an Gemälde, Hieroglyphen, an Darstellungen aus der Kunst. Dazu kommt meine Erfahrung mit Körpersprache, die das Verstehen der Gebärden und den Brückenschlag in eine andere Kultur erleichtert.

Wo Sprache und Hören, Sehen und »sich ein Bild machen« auf unseren gewohnten Wegen nicht möglich sind, gibt es so viele wunderbare andere Möglichkeiten, miteinander zu »reden«. Berührend ist das nicht nur im physischen Sinne, sondern auch ganz tief innendrin. Dann, wenn der hörende Pfarrer mit strahlenden Augen und herzlichem Lachen ein Vaterunser in Gebärdensprache betet. Allein die Geste der Vergebung ist ein besonderer Moment: Die rechte Hand streicht vom linken Oberarm hinab zur linken Hand, als ob eine imaginäre Last vom Herzen gezogen wird. Während der Bewegung dreht sich die Hand, öffnet sich zur Geste des Gebens und weist nach oben. Vergebung, übersetzt in ein Körperbild des Entlastens und Abgebens dessen, was uns das Herz schwer macht.

Anstrengend waren diese vier Tage auf allen Ebenen. Ein großes, wunderschönes Geschenk waren sie zugleich, in Begegnungen, Gedanken und Gefühlen. Danke dafür.

»Photographie ist ein großartiger Begleiter im Leben, aber am Ende des Tages ist das Leben viel wichtiger.«

Aus dem digitalen Notizbuch: ©HeikeRost.com 23.6.2014 – Alle Rechte vorbehalten.

Image and View – Linktipps 26.1.2014


Unterwegsfund der amüsanten Art: Der Film »Die Pute von Panem« eröffnet mit seinem Plakat neue anatomische Aspekte…. (gesehen 17.1.2014, Berlin Hauptbahnhof).

Lesetipp am Wochenende: »Viele Nutzer von Piraterieseiten, so scheint mir, haben wenig Kenntnis von den Mühen und insbesondere den Kosten der Veröffentlichung eines Buches. Das ist allerdings für mich nichts Neues. Ich renne gegen dieses Unverständnis bereits seit geraumer Zeit, teils wissenschaftlich, teils journalistisch immer wieder an. Aber die Kommentare zu Lars Artikel haben in mir den Wunsch geweckt, noch mal vertieft in die Materie einzusteigen, in der Hoffnung bei dem einen oder anderen vielleicht einen Prozess des Nachsinnens in Gang zu setzen. Denn anders geht es meines Erachtens nicht.« Thomas Elbel, Autor und Rechtswissenschaftler, über seine Erfahrungen mit selbst publizierten, DRM-freien Büchern.
»Von Einem der auszog, ganz allein ein Buch zu veröffentlichen.« (Blog von Lars Sobiraj, 26.1.2014)

Ein lesenswerter Netzfund: Jenikas Blog »Psychology for Photographers«. Die Psychologin und Porträtphotographin gibt auf dieser Seite allerlei nützliche Tipps in Sachen (Selbst)Marketing. Nicht nur für Photographen – Klicktipp!

»The solution is simple. If a photographer, or a photo editor, or a publisher wants to alter an image to enhance its effectiveness, let it be clearly known. Do not lie or attempt to deceive by hiding the fact that some major alteration have been made. Put a clear warning in the caption that the image has been altered beyond industry acceptable standard. Let the viewers know up front. (…) Why not do the same for altered images and put this debate behind us once and for all. Accept that some images, because of the condition in which they were taken, might contain a useless and distracting element that was purposely deleted to make the image more readable. There is nothing wrong about it, as long as we are informed of it.« Bislang der beste Beitrag zum Thema »Bildmanipulation« und dem aktuellen AP-Fall (Narciso Contreras – siehe Linkliste) – nachzulesen hier: »Thou shalt not lie« (»Thoughts of a Bohemian«, 24.1.2014)

»Pen, Brush and Camera« – 50 Minuten Dokumentation über Henri Cartier-Bresson, mit Beiträgen von Eve Arnold, Lord Snowdon und den Kunsthistorikern Ernst Gombrich und Lord Healey.

PS: Auf Youtube gibt es zwei Playlists von »Image and View«: »Inspirations & Photographers« mit rund 130 Videointerviews und Filmbeiträgen. Und die Sammlung »Tutorials« mit interessanten Clips zum Thema Bildbearbeitung und -optimierung. (Ergänzungen via Kommentar oder Mail sind übrigens jederzeit willkommen!)