Notes

Notizen zur Photographie – Notes about Photography

Notizen – Über das Sehen

In den letzten Tagen wurde ich öfter nach den Elementen meiner Bildgestaltung gefragt, insbesondere unter den Aspekten Farbigkeit, Bildausschnitte und der Entscheidung zwischen Farbe und Schwarzweiß. So mancher Fragesteller war recht erstaunt ob meiner knappen Antworten, konnte damit nicht so recht etwas anfangen. Dabei ist die Sache eigentlich ganz einfach.

Das, was ich an meinen Bildern bearbeite, entspricht dem, was ich in vordigitalen Zeiten in der Dunkelkammer tat: Gelegentlich dezentes Nachbelichten oder Abwedeln. Manchmal ein geringfügiges Korrigieren des Bildausschnitts, das in fast allen Fällen eine Frage ganz weniger Pixel ist. Meine Ausschnitte, Bildaufteilungen entstehen bereits beim Sehen, dann beim Fotografieren – und weder im Labor noch am Rechner. Ich bin bekennend wertfossil, mag keine verfremdende Software (Jens hat einen punktgenauen Kommentar zum vorherigen Post geschrieben) und finde HDR überwiegend ebenso nervig wie ausschließlich bei „schönem“ Wetter zu fotografieren. Blitzblankes „Postkartenwetter“ kann jeder, das langweilt mich zu Tode; viel spannender sind die Reize „unpassenden“ Wetters. Überhaupt – es gibt nur Licht … und das ist an sich weder falsch noch richtig. Es ist.

Ja, ich sehe das Bild im Sucher, natürlich. Doch zugleich sehe ich die Szenerie vor der Kamera wie durch eine Milchglasscheibe. Diese nur für mich sichtbare Projektionsfläche zeigt mir immer ein zweites, glasklares Bild, manchmal in Schwarzweiß, manchmal im späteren Ausschnittformat, manchmal in einer ganz bestimmten Farbigkeit. Immer aber ist dieses „andere“, körperlose und nur gedanklich existierende Foto das für mich einzig mögliche Abbild dessen, was ich sah, als ich die Kamera in die Hand genommen habe.