Portrait

Menschen im Porträt – People in portrait

Photographer’s Playful Moments …

Sometimes every photographer enjoys some playful moments: In taking a self which is actually a quote of famous Feininger self in some way. At Wetzlar, I had fun with the „Caleidoscope Mirrors“ in the pedestrian area. Definitely a place to visit – as a little reminiscence to the photographic history of Wetzlar … and Leica’s famous M-system which belongs to my favorite equipment for years.

Working with those rangefinder cameras is something completely different: Besides of working with a convenient „WYSIWYG“-mode of DSLRs and zoom lenses I’ve always enjoyed the simplicity of the M6 – and still enjoy it with the digital M-system. Reduced to the basics of photographic work, without AF, this camera forces a photographer to strictly focus on personal perceptions and observations, on therefore resulting ideas and thoughts about the image itself, as there is lighting, composition, a concentrated look at people and situations. I consider a range finder camera to be a challenge in terms of photographic skills and creativity as well.

Some additional aspects which are most important for me: First there is … silence. A discrete sound, a gentle click, that’s it. Not that known and sometimes very disturbing noise of a DSLR. Smart sizes of camera bags: Imagine those bulky heavy weight DSLRs with their lenses. Of course they are useful and needed in terms of autofocus, speed of workflow and transmission of photographs in the news business. But as my topics of work are mainly portraiture, coverages and street photography, I prefer in most situations a camera system which doesn’t identify me as a „pro“ at first glance. But gear which enables me to work very discrete – no matter if in a hospice, among criminal youngsters or difficult public and situations in general.

„I put a spell on you“ …

Screamin‘ Jay Hawkins auf der Bühne: Ein Foto, das mir tagelanges Summen im Ohr eintrug, weil ich für diese Perspektive bäuchlings auf der hämmernden Bassbox lag – mit einer weiteren Box direkt neben dem Ohr. Nicht einmal Ohrstöpsel helfen da weiter …

Begegnungen: Spuren

Interessante photographische Perspektiven für mich: Der menschliche Körper, der oft den Beruf widerspiegelt, physische Tätigkeit, die sich in sichtbaren Spuren niederschlägt. Ich denke dabei an Narben, an die Form von Händen, Fingern oder Füßen, an Hornhaut – oder an Muskeln. Ein Bild voller Energie und Kraft: Der Rücken des Tänzers und Choreographen Ismael Ivo während einer Performance.

Photographie: ©HeikeRost.com, 1996 – Alle Rechte vorbehalten.

Begegnungen: Sophie aus Limoges

Die tragische Geschichte des französischen Dorfs Oradour-sur-Glâne kennt in Frankreich fast jedes Schulkind: Am 10.Juni 1944 wurde der kleine Ort von deutschen Truppen dem Erdboden gleichgemacht. 642 Einwohner starben bei dem Massaker, darunter 207 Kinder und 254 Frauen. Nur 52 der Opfer konnten identifiziert werden, sechs von ihnen haben überlebt.
Die Ruinen des Dorfes sind heute Gedenkstätte: Das „Centre de la mémoire Oradour“ ist Ziel von Schulklassen, Studenten und Touristen aus vielen Ländern. Auch Sophie, die ich während einer Reportage dort getroffen habe, besuchte Oradour mit ihren Mitschülern.

Weiterführende Links:
Das „Centre de la mémoire“ im Netz.
Lea Rosh und Günther Schwarberg: „Der letzte Tag von Oradour“ (Steidl, Göttingen 1997, ISBN 3-88243-092-3)
Die FAZ zum Buch „Der letzte Tag von Oradour“.

Tanja und Bach

Flanieren in Dresden, auf einer Reportage-Tour kurz nach Mauerfall: Der Klang einer Bach-Chaconne lag in der Luft. Als ich den Klängen folgte, traf ich Tanja, die im Hof saß und dort übte. Die junge Musikerin aus Russland war nach Dresden gekommen, um dort zu studieren. Ich erinnere mich an die Sommerbrise, den warmen Klang ihres Cellos und eine wunderbare Zeit, die wir im Gespräch miteinander verbracht haben. Photographie baut Brücken zwischen Menschen – mit geteilten Momenten, genau wie Musik: Nur mit wenigen deutschen Worten, überwiegend unterhielten wir uns auf Französisch. Möglicherweise aufgrund der Musik dieser Sprache …

Strolling in Dresden, during a coverage of daily life a few month after the Fall of the German Wall: The sound of a lovely Bach Chaconne lay in the air. While following the music, I found Tanja, sitting in the court and rehearsing in public. The young musician came from Russia to study at Dresden. I remember the soft summer breeze, the sound of her cello and a wonderful time we spent talking to each other. Photography is about building bridges between people – via shared moments, as well as music: Only some german words, our conversation was mostly in french language. Maybe for the music within that language….

Dresden, 1990 ©HeikeRost.com – All rights reserved.

Begegnungen: Ismael Ivo

„Ich lasse den Bewegungen in mir ihr eigenes Leben. Ich weiß nicht, von welchem Fuß, welcher Hand, von wo die Bewegung kommt. Ich stelle meinen Körper zur Verfügung, dass die Ideen und die Bewegungen agieren. Dann bin ich wieder bei meinen Wurzeln.“ beschrieb der Tänzer und Choreograph Ismael Ivo seine Ausdrucksform.
Warten auf der Bühne, bei den Proben zu einer Tanzperformance: Ismael Ivo, 1996 – ©HeikeRost.com (Alle Rechte vorbehalten.)

Joan

Am Anfang war ihr Gesicht: Schmal, mit blasser Haut, das rötlich blonde Haar zu einem schlichten Zopf zusammen gebunden. Blaugraue, wache Augen mit klarem, beobachtenden Blick. Ein paar Stunden und kurze, aber intensive Gesprächsmomente später dann meine Kamera und ich: Drei Fotografien, zwei Lieblingsbilder, dieses hier ist eines davon – wegen der stillen Würde, die Joan ausstrahlt.

In the beginning I saw her face: Slim, with fair skin, her hair tied in a braid. Her eyes, somewhere between blue and grey, with scrutiny. A couple of hours later, after some short but intense moments of conversation, I asked her if I could take some portraits. My camera and me: Three photographs taken, two of them my favorites, this is one of them – Joan and her charismatic aura, which means dignity and respect to me.

Begegnungen – Sol Gabetta

Sol Gabetta ©HeikeRost.com - Alle Rechte vorbehalten
Der letzte samtige Ton des Guadagnini-Cellos schwebt im Raum. Der Musik hingegeben, sitzt die Musikerin konzentriert und in sich versunken auf der Bühne des leeren Konzertsaals. Man möchte sich auf Zehenspitzen in die Stille davonschleichen: Sol Gabetta während einer Probe.

Zum Tod von Michael Grabenströer

Oft haben sich unsere Wege gekreuzt: In der Berichterstattung aus Rhein-Main, der Landespolitik. Unterwegs mit Politikern, auf Kanzlertour vor einigen Jahren, mit der Transall auf dem Balkan, bei aktuellen Terminen und zahlreichen Gesprächen über Pläne, Ideen und Journalismus. Kritisch, nachdenklich und neugierig hast Du nachgefragt, bist so manchem auf die Nerven gegangen; immer nah dran an den Menschen, der Geschichte, ohne die professionelle Distanz zum Objekt Deiner Berichterstattung zu verlieren. Hartnäckig warst Du, im besten journalistischen Sinne respektlos, aber immer voller Respekt für Dein Gegenüber und Dein Tun.  Warst integer, aufrichtig und hilfsbereit, mit Augenzwinkern und Herzenswärme: In vielen Situationen hast Du mit größter Fairness und Freundlichkeit Kollegen unterstützt.

Du hast diese Überzeugungen gelebt; selbstverständlich und ohne Überheblichkeit, ohne erhobenen Zeigefinger, mit Höflichkeit, Herzlichkeit und viel Humor. Journalisten Deiner Sorte sind rar geworden. Umso mehr wirst Du uns fehlen, ob als Kollege oder als Freund. Danke für vieles, was ich von Dir gelernt habe.

Michael Grabenströer, Journalist, ist am 21.1.2012 gestorben. 

Nachruf der Landesregierung
Nachruf von SPD Mainz und SPD Mainz-Bingen

Iraklion, Σ‘ αγαπώ

In der Marktgasse in Iraklion herrscht fast immer Gedränge, die Mittagspausen, Sonntage und einen einzigen Nachmittag in der Woche ausgenommen. Geräusche von überall her: Musik aus zahllosen kleinen Lädchen, klapperndes Geschirr aus dem Kafenion nebenan. Hupende Autos und Lieferwagen, die Nachbarn rufen sich Witze und lose Sprüche zu. In den Metzgereien liegen absonderliche Ausstellungsstücke: Ganze Schweineköpfe, kunstvoll sind Ohren, Ringelschwänze und Hufe drumherum drapiert. Gehäutete Kaninchen schweben elegant über der Auslage, Ohren und Puschelschwanz sind sorgfältig im Originalzustand belassen worden. Den Grund dafür erklärte mir ein einheimischer Freund zwischen zwei Cafédaki: So mancher Schlachter soll schon versucht haben, seinen Kunden Katzen unterzuschieben…

Am oberen Ende, in der Nähe des venezianischen Brunnens, mischen sich die vielfältigen Gerüche der Marktgasse auf aberwitzige Weise. Der Duft der Gewürze verschwindet, stattdessen lockt die Kaffeerösterei mit Wohlgeruch. Im Schaufenster steht die große Kaffeemühle; das feine Pulver wird in Papiertüten verpackt, die bedächtig und sorgfältig zugefaltet werden. In der Tasche verströmen sie lange ihren dunklen, samtigen Duft. Nebenan beginnt die Reihe der Fischhändler: Alles, was das Meer zu bieten vermag, liegt dort auf Eis, schillert in sanften Farben, wird wortreich angepriesen und nur bis zur Mittagshitze verkauft. Danach herrscht dort Stille, auf dem Pflaster taut das restliche Eis. Es hinterlässt Pfützen, die in der Sonne rasch verdunsten und nur den Geruch des Meeres zurücklassen. Schritte schlurfen, tappen und klappern – je nach Schuhart und Absatzhöhe – um die Wasserlachen herum, hinein in die kleine Seitengasse.

In einer ehemaligen Garage sitzt dort ein alter Mann gebeugt auf einem Hocker. Hinter sich einen Stapel: Kleine und große Schuhe, Einzelstücke, Paare, robuste Treter und zierliche Stöckelschuhe in bunter Mischung. Vertieft in seine Arbeit an der surrenden Nähmaschine, werden zerschlissene und abgetretene Schuhe unter seinen Händen wieder wie neu: Akkurate Nähte dort, wo Risse waren. Winzige Holzpflöckchen halten frisch geleimte Sohlen zusammen, mit kleinen Nägeln beschlägt er Absätze neu. Unterhält sich zwischendrin lächelnd mit Kunden und Nachbarn, greift zwischendrin blindlings in den wirren Stapel und zupft zielsicher die Pumps der Ladenchefin von gegenüber heraus. Der abgebrochene Stiletto-Absatz ist kunstvoll repariert, die guten Stücke sind sorgfältig auf Hochglanz poliert. Manchmal bietet er dem Wartenden einen Cafédaki an, frisch zubereitet auf dem kleinen Propangaskocher. Während er sich dem Schuhwerk seines Besuchers widmet, summt der alte Mann leise vor sich hin. Und aus dem Rattern der kleinen Maschine, dem Takt klappernden Absätzen auf dem Pflaster, der brüchigen Greisenstimme fügt sich eine eigentümliche Melodie. Iraklion – Σ‘ αγαπώ.