Notizen von unterwegs: Aus dem Apfelhain

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Auf einer Fahrradtour durch die Obstäcker zwischen Klein-Winternheim und Ingelheim: Flirrendes Licht zwischen den Bäumen, es ist ungewöhnlich warm für April. Schon fast wie im Sommer, dunkler als sonst ist das Grün der Landschaft, sonnengebleicht die Grasstreifen am Wegesrand. Es hat eine Weile nicht geregnet, im Boden sind tiefe Risse zu sehen. Ein älteres Ehepaar grüßt freundlich. Fragt, was ich denn fotografieren würde. Ob sie das Bild auf dem Monitor sehen dürfen? Selbstverständlich.

»Wir gehen hier schon seit Jahren täglich spazieren. Aber…« der ältere Herr hält inne. Schweigt eine Weile. Schaut dann von der Kamera zum Apfelhain. Es ist ein nachdenklicher Blick – auf die gelblichen Streifen im Schatten der Bäume, die vom Unkrautvernichter ausgeblichen sind. Dann holt er tief Luft, ein leises Lächeln im Gesicht: »Wissen Sie, eigentlich haben meine Frau und ich uns gerade noch über diesen Chemiekram geärgert. Und eigentlich nur das gesehen. Dankeschön.« Verblüfft habe ich nachgefragt: »Dankeschön?« Die beiden strahlen mich an. »Ja. Weil das hier so zerbrechlich und schön ist. Ihr Bild war das.«

(Wahrheit ist nie absolut, sondern besteht aus vielen Schichten und Facetten. Welche davon sichtbar wird, liegt in der Entscheidung und Freiheit desjenigen, der ein Bild macht. Mitunter zeigt es eine andere, vordergründig unsichtbare Ebene.)

  1 comment for “Notizen von unterwegs: Aus dem Apfelhain

  1. 28. April 2014 at 07:41

    Sehr sehr schönes Bild, Heike. Wie eigentlich immer.

    LG,
    Wolfgang

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