»Magische Portraits«: Daniel Samanns und seine Ambrotypien

»Magische Portraits« von Daniel Samanns - ©HeikeRost.com 4.6.2014 - Alle Rechte vorbehalten.

Blick in die Ausstellung »Magische Portraits« von Daniel Samanns

Lebendig und faszinierend sind sie, die Bilder von Daniel Samanns: Die Ambrotypien im Collodion Wet Plate Verfahren, mit dem der Berliner Fotograf seit Jahren arbeitet, bilden nicht nur charakteristische Strukturen und Schlieren; je nach Verarbeitung entwickeln die Fotografien einen typischen Schimmer zwischen metallischem Glanz und samtiger Oberfläche. Einige wenige Aufnahmen müssen reichen bis zum fertigen Werk, das ist konsequenter Gegensatz zur schnellen digitalen Fotografie und ebenso konsequente Entschleunigung in allen Arbeitsschritten der Wet Plates. Über die rein technische Prozedur hinaus wirken diese Porträts auf bezaubernde Art aus der Zeit gefallen.

Eine Herausforderung in Sachen Konzentration ist das, für den Fotografen ebenso wie für den Menschen vor der Kamera: Fotos aus der Bewegung heraus sind unmöglich, die antiquierte Technik zwingt zum Stillsitzen bei langen Belichtungszeiten. Die bewusste Pose für das Porträt, die daraus resultiert, ist Haltung, im körperlichen und übertragenen Sinne. Und wird zugleich auch zu einem Prozess der vorsichtigen Annäherung zwischen den Protagonisten der Bilderserie: Der konzentrierte Blick der Menschen vor der Kamera auf den Fotografen lässt den Betrachter für einen Moment innehalten, lädt ihn dazu ein, in den Gesichtern spazieren zu gehen und sich auf den intensiven Dialog mit ihnen einzulassen.

Daniel Samanns behutsame Bilder eröffnen Innensichten und sensible Einblicke in Menschen: Ihre ungewöhnlichen Gesichter, die nicht im herkömmlichen Sinne schön, aber von ganz besonderem Reiz sind, spiegeln ihr Innenleben. Eine Entdeckungsreise in Charaktere und Persönlichkeiten, die sich der Kamera und dem Fotografen anvertrauen, sich preisgeben und öffnen, in berührender Verletzlichkeit. Mit Rissen, Schlieren und mitunter Sprüngen im Glas zeigen die Ambrotypien Samanns‘ nicht nur, wieviel Handwerk und dynamisches Eigenleben der Materialien in ihrer Herstellung steckt. Auf subtile Weise unterstreichen sie auch die Einzigartigkeit und Fragilität der Menschen vor der Kamera.

Die Ausstellung »Magische Porträts« ist noch bis zum 29. Juni in der Kommunalen Galerie, Hohenzollerndamm 176 in Berlin zu sehen. Mehr Informationen auf der Website der Kommunalen Galerie Berlin.
Einige 3D-Eindrücke der Ausstellung gibt es hier.
Daniel Samanns Ambrotypien im Netz

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PS: Wohin Gedankenspaziergänge nach einem Ausstellungsbesuch führen: Bei einem Kaffee haben Daniel und ich uns über die Ausstellung unterhalten, auch über mein Lieblingsmotiv. In Kombination mit einer Spiegelung wurde daraus ein ganz anderes Bild – fotografische Assoziationen aus der antiken Mythologie. Von Apollon verfolgt, verwandelte sich die Nymphe Daphne in einen Lorbeerbaum (griechisch Δάφνη).