Blogs persönlich (01) – Ralfs Foto-Bude

Auf den Streifzügen ins Netz begegnen einem immer wieder interessante Projekte, die nicht nur die Vielfalt der Online-Welt zeigen, sondern auch belegen: Man kann damit sogar Geld verdienen, aller Skepsis zum Trotz. Einige dieser Blogs, Websites und Webzines wird »Image and View« in unregelmäßigen Abständen vorstellen. Ihnen allen gemeinsam ist die Konzentration auf Themen der Photographie.

Zum Auftakt: Ralf Spoerer über sein Projekt »Ralfs Foto-Bude« – vielen Dank für Text und Bilder!

»Wie bekloppt muss man eigentlich sein, um einen halbwegs sicheren und durchaus gut bezahlten Job bei Springer aufzugeben? Ziemlich bekloppt. Na gut, dann bin ich eben bekloppt – ich stehe dazu. Bis Juni 2012 habe ich als Leitender Redakteur in der Redaktion der AUDIO VIDEO FOTO BILD bei der Axel Springer AG gearbeitet. Einige haben es sicherlich mitbekommen: Der Verlag hat damals die gesamte Computerbild-Gruppe – zu der auch AUDIO VIDEO FOTO BILD gehört – in eine GmbH ausgegliedert. Darüber zu diskutieren, wie sinnvoll dieser Schritt des Verlags war, wie sozial er war und welche Folgen und Ziele er hatte, ist an dieser Stelle nicht wichtig. Wichtig war für mich nur die Frage: Mitgehen oder über Los gehen und eine Abfindung mitnehmen?

Wirklich lange habe ich darüber nicht nachgedacht. Warum? Zwei Gründe. Der Journalismus und die Medienlandschaft ist zur Zeit in einem Umbruch, deren Ausgang nicht absehbar ist. Ein Umbruch, der spannend ist und der – so sehe ich es – viele Chancen bietet. Chancen für Journalisten, die bereit sind, neue Wege zu gehen, die bereit sind verschiedene Dinge auszuprobieren, die Ideen haben und die Lust darauf haben, zu gestalten – die Zukunft des Journalismus zu gestalten. Und genau, weil ich dazu bereit war und drauf gebrannt habe, meine Idee von Journalismus umzusetzen, stand meine Entscheidung fest. Und welch größeren Luxus könnte ich haben, als mit einer Anschub-Finanzierung meines ehemaligen Arbeitgebers in dieses Abenteuer zu starten.

Logo zur Verwendung auf Weiss

Für mich stand natürlich von Anfang an fest: Es muss was mit Fotografie zu tun haben. Das habe ich die letzten Jahre bei Springer gemacht, das ist meine Leidenschaft, da habe ich alle wichtigen Kontakte und da kann ich mich austoben. Irgendwann bin ich morgens aufgewacht und wusste wie das Ding heißen würde: Ralfs Foto-Bude. Einfach, schlicht, ein bisschen Retro und – ganz wichtig – persönlich. Wer meine Tests und Artikel liest, meine Videos und Bilder sieht, der sollte wissen: Das ist Ralf. Und Ralf kann man anmailen und Ralf kann man auch mal anrufen.

Dass diese Idee zu einer meiner größten Pluspunkte werden würde, ahnte ich damals noch nicht. Es folgten Wochen und Monate der Planung – Content-Management-System, Providersuche, Meta-Daten, Google-Adsens, SEO und Affiliate waren nur einige der Bereiche, mit denen ich zuvor nie zu tun hatte. Als Autodidakt und Durchbeißer ging es Stück für Stück weiter, bis zur Photokina 2012 meine Seite online ging: Ralfs Foto-Bude. Tests, Neuheiten, Zubehör, Beratung rund ums Thema Fotografie – das ist das Thema meiner Seite. Wobei ich mich auf die eher hochwertigen Produkte beschränke. Mein Stil: Persönlich, nachvollziehbar, nicht zu technisch, aber trotzdem klar und informativ. Dazu gibt’s Videos auf YouTube und Bilder auf Flickr.

Ich hör euch jetzt schon murmeln: Und wie verdient der damit Geld? Ich kann sagen, womit ich kein Geld verdiene: Mit Werbung. Es ist und bleibt mein Ziel, Ralfs Foto-Bude frei von Werbung zu halten. Erstens habe ich keinen Nerv, mich um Anzeigenkunden zu kümmern, egal ob selbst oder per Agentur. Und zweitens will ich meine Seite nicht mit Werbung verschandeln. Womit dann Geld in die Kasse kommt? Mit einem Amazon-Affiliate-Programm auf meiner Internet-Seite, mit PayPal-Spenden und Flattr. Wobei sich die Höhe der Einnahmen genau in dieser Reihenfolge staffelt. Ich kommuniziere das klar und offen, sage meine Lesern, dass ich davon lebe – und wie sie mich bei meiner Arbeit unterstützen können. Ein weiteres Standbein sind meine YouTube-Videos. Erst nur in Deutsch – jetzt auch in Englisch – müssen meine Zuschauer die Werbung über sich ergehen lassen. Hier kann ich die Werbung akzeptieren, da ich mich nicht drum kümmern muss und weil die Videos eh keine ästhetischen Leckerbissen sind, sondern sachlich, klar und vollgestopft mit Informationen.

Nach nunmehr gut einem halben Jahr weiß ich, dass das Konzept beim Leser ankommt. Das Persönliche, das Authentische, das Ehrliche. Meine Leser erleben meine Foto-Ausflüge, meine Tests und wie ich manchmal nach Funktionen suche und fluche. Sie erleben aber auch meine Begeisterung für eine Kamera, eine Funktion, ein Erlebnis. Meine Leser wissen, dass sie mich fragen können und eine ehrliche Antwort bekommen. Vielleicht auch mal eine Antwort, die sie nicht hören wollen. Das akzeptieren sie, weil auch das mich authentisch macht. Und genau das ist es, was heute im Journalismus eine Chance hat. Das ist es, was ich weiter ausbaue. Wie? Ich schreibe ein Kamerabuch. Ich wurde vom Verlag angesprochen und gefragt, ob ich zur Fujifilm X20 ein Buch schreiben könne. Ich fragte sofort: In meinem Stil? Natürlich – das Buch soll das Buch von Ralf Spoerer sein, in seinem Stil, in seiner Art – natürlich mit Vorgaben was Umfang und Inhalt anbelangt, aber nicht hinsichtlich der Schreibe. Für mich ein weiterer wichtiger Baustein.

Und nach einem halben Jahr steht für mich auch fest: Ich bereue nichts. Statt ein Rädchen im Getriebe eines großen Verlags zu sein, bin ich lieber der Motor. Ich kann selbst bestimmen, in welche Richtung ich fahre und mich dabei auf mein eigenes Navigationssystem verlassen. Klar ist das nicht immer perfekt, aber dann liegt es an mir nachzujustieren, Ausweichrouten zu finden oder neue Wege einzuschlagen. Ich bin niemandem Rechenschaft schuldig und nur mir gegenüber verantwortlich. Sicher ist das nicht jedermanns Sache und es gibt Journalisten, die sich mit dem gegenwärtigen Umbruch schwer tun. Denen kann ich nur sagen: Habt Mut, seid authentisch, sucht euch Nischen. Leser wollen heute verlässliche Journalisten, wollen Sicherheit und Halt. Früher war es DIE Zeitung, die für guten und kompetenten Journalismus stand, heute ist es DER Journalist, der das Vertrauen des Lesers bekommt. Und genau das ist seine Chance. Dazu ein guter multimedialer Mix, das Nutzen vieler Kanäle und – das wichtigste – Begeisterung!

Ach ja, den zweiten Grund: Es gibt so ein paar Punkte, die auf meinem Lebensplan stehen. Einer davon: Bevor ich 50 werde, noch mal was Eigenes anfangen. Mich selbständig machen und wieder mein eigener Chef sein. Das hat geklappt, am 7.4. bin ich 50 geworden und die Foto-Bude läuft inzwischen schon recht gut.«

Ralf mit Kamera sw colorRalf Spoerer über sich:
Bj. 1963 – mit sechs Jahren die erste Kamera bekommen, eine Kodak Instamatic. Studiert in Stuttgart an der Fachhochschule für Medien mit Abschluss Dipl.-Ing. (FH) Fachrichtung Druck.
1984 bis 1989 in München Verkaufsleiter für den Fotosatzgeräte-Hersteller Scangraphic, 1990 und 1991 1 1/2 Jahre mit dem Wohnmobil in den USA und da eneut meine Leidenschaft für die Fotografie entdeckt, 1991 bis 1999 freier Journalist und Knipser fürs Hamburger Abendblatt, unter anderem als Polizeireporter und -fotograf, 2000 bis 2012 erst Redakteur, dann leitender Redakteur bei Computerbild und AUDIO VIDEO FOTO BILD.

In eigener Sache: Die vorgestellten Projekte sind eine freie Auswahl von »Image and View«, das konsequent auf bezahlte Links, Beiträge und AdSense/AdWords verzichtet. Sie möchten die Finanzierung dieses Blogs unterstützen? Mehr Informationen dazu folgen in Kürze.

  1 comment for “Blogs persönlich (01) – Ralfs Foto-Bude

  1. Burkhard Möller
    5. Februar 2014 at 16:40

    Hallo Herr Spoerer, ich fragte kürzlich nach einer mir mißlungenen Slave-Funktion des Fujiblitzes EF-X20 . Ich habe das Thema weiter verfolgt. Die X20 kann den Blitz auslösen ( Slave ) wenn auf dem Blitz (EF-X20 ) die weissen Zahlen für manuelle Steuerung eingestellt werden. Leider weist keine Anleitung darauf hin . Vielleicht ist es auch für Sie interessant. Dennoch bedanke ich mir hier nochmals für Ihre freundliche Bereitschaft mir Auskunft zu erteilen.
    Einen lieben Gruß aus Neustadt am Rübenberge

    Burkhard Möller
    P.S.: Ihr Buch über die X20 finde ich sehr gut!!!

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