Wolfgang Zurborn – »Catch«

Ausschnitt aus »Catch« © Wolfgang Zurborn - Alle Rechte vorbehalten.Flanierend, skizzierend, beobachtend, kombinierend – aus ungewohntem Blickwinkel Versatzstücke des Gesehen neu zusammensetzend, detailverliebt, augenzwinkernd, amüsiert, treffsicher und bisweilen boshaft, ohne bösartig zu sein: Wolfgang Zurborns Bilder seiner neuen Monographie »Catch« sind von spröder Stille und herbem Reiz. Ihre Komposition und Geschichten erschließen sich nicht sofort dem Betrachter, sind widerspenstig, entziehen sich dem ersten Blick, bedürfen der Atempause und Stille, der Rückkehr und erneuten Konzentration auf die Motive. Legt man das Buch aus den Händen, bleiben sie dennoch wie mit feinen Widerhaken versehen in den Gedanken präsent.

»Catch« ist als Titel der sechsten Monographie Zurborns so hintersinnig und doppelbödig wie dessen Photographien selbst. »Catch« bedeutet Trick – so wie viele der Bilder, die buchstäblich trickreich aus ungewöhnlicher Perspektive photographiert ebenso ungewöhnliche Momentaufnahmen sind: Einladungen zu Entdeckungsreisen und Spaziergang in den Details, den eigenen inneren Geschichten ebenso auf der Spur wie den visuellen Notizen des Photographen. Mitgenommen und erjagt auf seinen photographischen Wanderungen, bezeichnet »Catch« auch die Beute des Sehens. Bunt und fröhlich in ihrer Farbigkeit sind diese Unterwegsfunde, sind Lebensspuren, (ein)gefangen mit der Kamera und komponiert zu grafischen Strukturen. Ihr frappierender Klang ähnelt bisweilen einem fernen Echo von Martin Parr, ohne dessen Getösigkeit ahnen zu lassen: Die Serie »Catch« ist weitaus zarter, behutsamer und stiller erspürt und beobachtet.

»Catch« bezeichnet auch den Fanghaken einer Angel; ein treffendes Bild für augenfesselnd sensible Bilder, die zur Wiederkehr einladen, zum Nachspüren der skizzierten Mosaike, der atmosphärisch dichten Versatzstücke von Alltagsleben und Straßenbildern auffordern und den Photographie-Liebhaber buchstäblich an der Angel haben. Spitzblättrige rote Tulpen mit Fußgängerschatten auf blauem Grund: Den Frühlingshimmel gleichsam zu Füßen, erinnert dieses Bild an die unbeschwert bunte Welt eines David Hockney. Elegante Haarteile in einem Schaufenster: Aus Einblicken und Durchblicken fügt Wolfgang Zurborn eigentümlich berührende, vielschichtige Collagen zusammen, die zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit irisieren. Immer wieder bilden diese Montagen Paare – mit ebenso vielen Unterschieden wie Gemeinsamkeiten; ein Spiegelbild der Gedankenwelt eines leidenschaftlichen Beobachters, Sammlers und Jägers mit untrüglichem Spürsinn, ein Kaleidoskop der oft übersehenen, sehenswerten Details.

Es sind die kleinen Dinge, die uns davon erzählen, wie groß das Leben ist…

Ausstellungen mit Arbeiten aus der Serie »Catch« sind hier zu sehen:

11.6. bis 30.8.2015 im Kunstmuseum Moritzburg in Halle/Saale
20.6. bis 20.9.2015 im Museum Angewandte Kunst, Frankfurt (im Rahmen der Ausstellung »Ray 2o15 Fotografieprojekte Frankfurt/Rhein-Main)