Zwischen Plagiat und Ähnlichkeit – Grenzgänge des Motivschutzes

»Es kann so einfach sein: Ein Bild zeigt eine Frau, die sich einen Ventilator vor das Gesicht hält. Ein ähnliches Bild erscheint in einer Werbeanzeige eines Magazins. Beide Male werden die Haare nach hinten geweht. Grund genug um vor Gericht die Frage zu diskutieren, ob es so etwas wie Motivschutz geben kann.« schreibt Florian Wagenknecht heute bei RechtamBild.de über einen interessanten Rechtsstreit. Auslöser war die frappierende Ähnlichkeit zweier Fotos; im Unterschied zu anderen Gerichten entschied das Landgericht Bochum liberal – und wies auf die Unterschiede in der Bildgestaltung hin.

Dass die Debatte um ähnliche Bilder auch ganz anders ausgehen kann, zeigt das Beispiel des roten Doppeldeckerbusses aus London: Der Londoner Patents County Court entschied Anfang 2012, dass „Photoshop-Manipulation aus einem Foto ein geistiges Konzept“ macht und damit durchaus eine Urheberrechtsverletzung darstellt. Zwar sind die Motive an sich nicht sehr ähnlich, was den Bildaufbau betrifft; dennoch ist die Bildbearbeitung gleich: Nur der Bus ist farbig, der Rest des Bildes hingegen Schwarzweiß.


So ärgerlich gleichartige Motive für Bildschaffende und andere Kreative sind, so schwierig ist auch die Abgrenzung zwischen bloßer Ähnlichkeit und Plagiat; Regelwerke sind schwierig bis undefinierbar, Begrifflichkeiten wie „Schöpfungshöhe“ sind diffus, das „noch nie gemachte Bild“ genau genommen eine Illusion, von der sich schon Cartier-Bresson verabschiedet hat. Auf meiner Facebook-Seite hat sich dazu eine interessante Diskussion entwickelt. Da nicht alle Leser dieses Blogs auch bei Facebook sind, hier noch einige Links zum Thema – ich freue mich auf Kommentare zu diesem Thema!

„Nachahmung bei Bildern – ähnlich heißt nicht gleich“ (RechtamBild.de, 26.3.2013)
„Photoshop-Manipulation machen aus einem Foto ein geistiges Konzept“ (Heise/Telepolis, 27.1.2012)
Das Bild zum Gerichtsurteil des Patents County Courts (Kanzlei Swan Turton, PDF)
„Zufall, Anregung oder Plagiat?“ (Olaf Bathke in seinem Blog, 2010)

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