13 comments for “Soziales Netz produziert „Verwaiste Werke“

  1. Jens Best
    18. März 2013 at 03:31

    Also zumindest für Flickr ist die Behauptung nicht richtig. Dort werden die Metadaten nicht entfernt. (Hab’s gerade selbst noch mal überprüft.)

    Außerdem ist es doch ein ziemlich durchsichtiges Manöver wegen der (berechtigt zu kritisierenden) Entfernung von Metadaten bei einigen wichtigen Plattformen zu versuchen, den Begriff der Verwaisten Werke zu diskreditieren. Ein ziemlich durchsichtiges Vorgehen gegen einen etablierten Rechtsbegriff, der einigen Rand-Fraktionen in der Urheberrechtsdebatte nicht gefällt.

    Sehr schade, denn die Entfernung der Metadaten durch sowieso auch wegen anderen Dingen im Urheberrecht zu kritisierenden Social Media Plattformen ist tatsächlich ein Misstand, der geändert werden sollte.

    • HeikeRost
      18. März 2013 at 07:26

      Für Nutzer eines Flickr Pro-Accounts kann das anders aussehen, auch in Abhängigkeit der verwendeten Verschlagwortungssoftware und -art. Werden Bestandteile der Metadaten entfernt oder beschädigt, macht auch das die eingebetteten Informationen unsichtbar. Über die Details gibt der Testüberblick in der Linkliste entsprechend Auskunft. Auch der Workflow des Tests ist verlinkt.

      Darüber hinaus geht es nicht nur um urheberrechtliche Aspekte, wie im Fazit beschrieben. Qua Definition ist bei einem „Verwaisten Werk“ der Urheber nicht zu vermitteln; der Rechtsbegriff stammt zwar aus dem Urheberrecht, die Ermittlung von Bildquellen ist aber auch in vielen Rechtszusammenhängen von Bedeutung.
      Ich würde mich freuen, Jens, wenn Du an dieser Stelle über den Tellerrand mancher Diskussionen hinausblicken würdest.

      • Jens Best
        18. März 2013 at 17:37

        Den Aufruf über den Tellerrand hinaus zu blicken hat etwas absurd witziges von jemanden, die dafür bekannt ist, die fundamentalistischen Kreise der Urheberrechtsfanatiker durch Duldung zu unterstützen.

        Die Definition eines Verwaisten Werke beinhaltet auch die Pflicht des die „Verwaisung“ Vermutenden im Rahmen gegebener Möglichkeiten und Verdachtsmomente eine Ermittlung des Urhebers zu versuchen.
        Bei den meisten digitalen Fotografien ist davon auszugehen, dass ihre Schutzfristen noch nicht verjährt sind. Mit einfachster Software lässt sich mittlerweile automatisch ermitteln, ob ein Foto im Netz mit Urheberrechtskennung verzeichnet ist. Somit ist also die Gefahr, dass ein urheberrechtliche geschütztes Foto mir nichts dir nichts als „Verwaistes Werk“ erklärt wird, schlichte Propaganda von denen, die diesen Begriff nicht wollen, weil sie gerne Schutzfristen bis zum Sankt Nimmerleinstag hätten.

        Solche Studien bringen also keinen Erkenntisgewinn (es dauerte nur wenige Minuten, um die Aussagen im Fall von flickr zu widerlegen/einzuschränken) und dienen auch nicht der wichtigen Aufgabe – nämlich den vorherrschenden kommerziellen Social Media Plattformen ein wenig Respekt vor der Realität des Urheberrechts einzuimpfen. Schade, verpasste Chance, weil mit verdeckten Zusatzmotivationen agiert wurde.

        • HeikeRost
          18. März 2013 at 17:56

          Konstruierte Vorwürfe werden durch permanente Wiederholung weder besser noch inhaltlich richtig, Jens. Für den Rest gibt’s in diesem Blog einen Kommentarkodex, den ich Dich künftig zu beachten bitte.

          „Mit einfachster Software“ stimmt solange, wie in den Metadaten überhaupt irgendwelche Informationen eingebettet sind. Fehlen sie – wie z.B. bei Facebook nach Download – hilft auch dieser Weg nicht mehr weiter, um die Bildquelle zu ermitteln. Vielleicht noch ein „Glückstreffer“ via Google Imagesearch.
          Was flickr angeht: Die Darstellung von Metadaten innerhalb der Plattform funktioniert. Je nach Account-Version und/oder genutzter Software zur nachträglichen Verschlagwortung und Einbettung von Metadaten treten die Probleme auch dort unterschiedlich auf. (Nachzulesen sowohl in den Testcharts als auch in der Beschreibung des Workflows. Haken daran: Für die Einbettung von Metadaten gibt es Standards – für unterschiedliche Software nicht zwingend, mitunter sorgen schon schlichte Updates oder Versionswechsel für erhebliche Probleme. Offene Datenformate wären ein möglicher Lösungsweg; anderes Thema, andere Debatte.)

          • Jens Best
            18. März 2013 at 18:40

            Fotos werden nicht durch die Metadaten alleine von der Software verglichen, sondern von einem aus den Pixeln errechneten Wert, der quasi ein unverwechselbarer Fingerabdruck eines jeden Fotos ist. Komm‘ gerade nicht auf den Fachbegriff für diesen Wert.

            Es gibt meines Wissens schon international festgelegte Standards bei den Metadaten (lass mich da aber gerne belehren, wenn es da auf der internationalen Ebene noch Bedarf für Multi-Stakeholder-Verhandlungen gibt). Es ist also eher ein Problem, diese Standards durchzusetzen. DAS wäre eine Forderung an Plattformen, die breite Unterstützung finden könnte. Ein obendrauf konstruiertes Negativ-Campaigning gegen „Verwaiste Werke“ allerdings wird sicherlich nicht breit unterstützt.

          • HeikeRost
            18. März 2013 at 19:14

            Siehe verlinkte Tutorials und Seiten zu Metadaten, Standards inbegriffen – die übrigens allesamt einen unschönen Haken haben: Sie sind trotz aller Standards manipulierbar, ersetzbar und löschbar. Das schließt viele automatisierte Prüfverfahren von vorneherein mangels Zuverlässigkeit aus. (An anderer Stelle hatte ich dazu bereits ausführlich kommentiert.)

            Inklusive Pixelfehler, individuellem Sensorrauschen und einigen anderen Dingen gibt’s viele Möglichkeiten, den „Fingerabdruck“ eines Bildes zu ermitteln; sie erfordern allerdings für eine tragfähige Lösung einen offenen RAW-Standard, den es bislang mangels Einigung der Kamerahersteller nicht gibt. Ein großer Kamerahersteller hat vor geraumer Zeit eine Image Authentication Software entwickelt. Ein Modul in der Kamera, eins auf dem Rechner – und aus der Synchronisierung via Software-Key wurde ein Hashwert nebst Indexliste erzeugt, der darüber Aufschluss gab, ob Bilder verändert bzw. manipuliert wurden. Da die Software nicht dahingehend weiterentwickelt werden konnte, dass aus den ermittelten Werten ein Rückschluss auf die Art und den Anteil der Veränderung (sondern nur auf die Veränderung an sich) möglich gewesen wäre, wurde das Projekt stillschweigend eingestellt.

            Ein ergänzendes Zitat aus einem Kommentar meines Kollegen Achim Duwentäster (Freelens) – Quelle Facebook

            »IPTC in Fotos taugen nicht für eine automatisierte Auswertung. Man kann sie nicht nur ganz leicht entfernen, sondern auch durch andere, falsche ersetzen. Gesetzlich ist zwar beides nicht erlaubt, aber selbst wenn man es durchzusetzen könnte, sind diese Daten nicht belastbar.
            Dasgleiche gilt für digitale Wasserzeichen. Mir ist kein Verfahren bekannt, dass nur eine einfache und übliche Auflösungsverringerung überstehen würde.
            Es gibt noch eine andere Möglichkeit, nämlich über die individuellen Pixelfehler einer Digitalkamera, einem typischen Rauschmuster, ähnlich unverwechselbar wie ein Fingerabdruck. Aber das erfordert u.a. einen offenen RAW-Standard, den Canon und Nikon in abwechselnder Reihenfolge ablehnen. Leica, Olympus, Konica, eventuell auch Hasselblad, würden dabei mitmachen, ist jedenfalls mein letzter Stand. Es müssen aber alle Kamerahersteller mitmachen und ohne Canon und Nikon geht es gar nicht.
            Das internationale ISO-Institut hat so ein offenes RAW-Standard-Format, entwickelt an der Fachhochschule Köln, federführend von Prof. Georg Fischer in Zusammenarbeit mit Adobe und Unterstützung von FreeLens, schon zertifiziert. (Dieses Datei-Format hat übrigens noch weitere technische Vorteile.)«

  2. 18. März 2013 at 10:11

    Das Ganze erscheint mir wie ein Kampf gegen Windmühlenflügel. Die Windmühlenflügel sind die Mischung zwischen den theoretischen zigmillionen Privatsurfern und den wenigen Onlinekonzernen die die ihrer urheber- und verwertungsrechtlichen Hinweise beraubten Bilder gerne als willkommene Kostenloswerbung zu Steigerung der werblichen Attraktivität ihrer eigenen Präsenzen sehen.
    Dem Privatnutzer im Falle des Erwischtwerdens eine Rechnung zu präsentieren, ist rechtlich sicherlich unbestritten. Praktisch könnte daraus gerade im Netz ein Bumerangeffekt entstehen.

    Fragt sich ob es eine Erkenntnis darüber gibt, inwiefern die Privatnutzung (Teilen auf FB z.B.) tatsächlich am Ende auch wieder zu einem Auftrag für den Fotografen/Bildjournalisten führt oder nicht.

    Anders die Lage bei den jeweiligen Onlinekonzernen, insbesondere bei Facebook. Deren Geschäftsmodell ist die Attraktivität der gesammelten Daten für potentielle Werbekunden.
    Stellt sich also die Frage, inwieweit die Entfernung der Metadaten nicht einen geschäftsschädigenden Eingriff bei den Urhebern darstellt.
    Meines Wissens ist dieser Aspekt bislang in der Debatte noch nicht aufgetaucht.
    Die Verknüpfung der eingestellten Bilder mit Wasserzeichen, deutlich sichtbaren und nur mit Schaden für das Bild entfernbaren Urheberschaftshinweisen ist das mindeste.

    Die Frage ist, ob der generelle Passus der Einräumung der entgeltlosen Nutzungsübertragung nicht an sich schon unter Geschäftspartnern gegen die guten Sitten verstößt. Gerade FB, das inzwischen dazu übergeht, Reichweite nur gegen Cash noch gewähren zu wollen, bewegt sich m.E dort in einem fragwürdigen Bereich.

    Meines Erachtens hat jeder von uns, zumindest sofern wie beruflich mit Bildern zu tun haben, damit zur Unternehmensentwicklung der jeweiligen Konzerne beigetragen. Stellt sich deswegen die weitere Frage, ob das nicht ein Grund wäre, entgangenen Gewinn durch die vorsätzliche Entfernung der Metadaten anzunehmen und ob diese Überlegungen überhaupt je schon einmal in Betracht gezogen wurden.

    • HeikeRost
      18. März 2013 at 18:22

      Schwieriger Balanceakt zwischen Datenschutz und beruflichen Interessen: Viele Unternehmen nutzen Bilder auf den Plattformen des Social Web für PR, Eigenmarketing etc.; ein Unding aus dieser Perspektive, wenn beim Download aus verschiedenen Plattformen Metadaten restlos entfernt werden, die über Bildautoren, Lizenzierung und Freigaben Auskunft geben.
      Das schafft erhebliche Rechtsunsicherheit – nicht nur auf Urheber-, sondern auch auf Nutzerseite.

  3. Jens Best
    19. März 2013 at 01:17

    Es gibt neue Lösungsansätze:

    http://imgembed.com/ – A new standard for fair, online image use – Goodness for both the creators and users

    http://www.theverge.com/2013/3/18/4118192/imgembed-image-storage-tracking-monetization-service

    Imgembed helps photographers profit from and protect their work

    • Heike Rost
      19. März 2013 at 02:38

      „The company says that its embedding system is „so easy to use, it wouldn’t make sense to steal anymore,“ but it still needs to go further to protect its users‘ photos…“. Schau’n wir mal, dann sehen wir’s. 😉

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