Was ist eigentlich … Erfolg?

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Wenn ein Mensch, den ich porträtiert habe, sein Bild sieht und staunt. Über sich selbst. Oder auch darüber, sich in meinen Fotos wiederzufinden. Oder sich neu entdeckt, sich das erste Mal schön findet. Manchmal sitzt da jemand, der herzlich und voller Freude lacht. Gelegentlich einer mit Tränen in den Augen. Oder jemand, der beharrlich schweigt und erst einmal zu einem Spaziergang flüchtet, des Abstands zu sich selbst wegen. Zu meinen Bildern, die nicht Repro, nicht Spiegelbild sind, sondern Einsichten, Innensichten, die ihre Wurzeln in Nähe und Vertrauen haben.

Wenn mir im Lieblings-Café (wo immer wieder Bildserien von mir hängen) eine ältere Dame erzählt, dass sie täglich vorbeikommt auf einen Kaffee und ein Stück Kuchen; mittlerweile einen Stammplatz unter einem meiner Bilder hat. Sie schaut es an, Tag für Tag. Und sagt: »Dieses Foto macht jeden Tag für mich besonders.«

Wenn jemand, der in der Gegend aufwuchs, in der einige meiner Landschaftsbilder entstanden sind, sagt: »Ich kenne dort jeden Stein. Aber so berührend habe ich diese Landschaft, die ich mein Leben lang kenne, noch nie gesehen.«

Wenn jemand eins meiner Bilder anschaut. Stumm davor steht, minutenlang. Durch den Raum geht, wieder zurückkehrt zu diesem einen Bild. Es ansieht, darin eintaucht und spazierengeht. Mich zum Abschied anlächelt, so als ob die Sonne in seinem Herzen und in seinem Kopf aufgegangen sei. Schweigend. Nicht weil es keine Worte gäbe, sondern weil sie überflüssig sind in diesem Moment.

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Wenn jemand ein Bild von mir kauft. Mir hinterher schreibt, dass es dieses eine sein musste und nur sein konnte.
Mir erzählt, dass er dafür gespart hat. Weil: »Dieses!« Und dass es jetzt in seiner Wohnung einen besonderen Platz hat, einen, auf den jeden Tag sein Blick fällt: Das Foto einer Straße in Paris ist Glücksbringer, Begleiter in den Tag – und für seinen glücklichen Besitzer tägliche Erinnerung, was ihm wichtig ist in seinem Leben.

Wenn Menschen, die ich einige Tage mit der Kamera begleiten durfte, mich zu einem abendlichen Treffen einladen. Die Kinder »aus schwierigem Umfeld«, die mit häuslicher Gewalt, Missbrauch und sozialem Absturz aufwachsen. Die einsamen kleinen Wölfe: Gemeinsam haben sie Pizza für mich gemacht. Lachende Gesichter und Wärme, wo sonst Leben auf der Straße ist, Leid und Aggression.

Wenn ich wie bei einer Reportage im Gefängnis Menschen treffe, an die ich mich erinnere, als seien die Begegnungen gestern gewesen. Mit denjenigen zu reden, die oft jahrelang auf ein paar wenigen Quadratmetern verbringen, über das Leben, ihr Überleben, auch das von Herz und Seele, das war oft anstrengend, immer aber sehr vielfältig und intensiv. Blaue Kleidung tragen die Menschen, der Knast versucht sie alle einförmig gleich zu machen. »Danke« murmelte einer dieser Menschen. Verdutzt habe ich gefragt, wofür. »Für Ihren Respekt, für das ‚Sie‘. Und für Ihre Freundlichkeit.« Er verabschiedet sich, umfasst mit beiden Händen meine Hand. Für einen Augenblick spüre ich seinen Herzschlag in diesen kraftvollen, eleganten Händen – die einem anderen Menschen den Tod gebracht haben.

Erfolg, das sind für mich all diese Erlebnisse, die mir Denkanstöße, Inspiration und Kraft schenken; die mich auch dann beflügeln, wenn glatte Wege manchmal unerwartet Haken schlagen und sich als holperige Piste herausstellen.

»…Wenn du in unverzeihlicher Minute
Sechzig Sekunden lang verzeihen kannst:
Dein ist die Welt – und alles was darin ist
Und was noch mehr ist – dann bist du ein Mensch!«*

* Zitiert aus Rudyard Kiplings Gedicht »Wenn«, hier von Dennis Hopper vorgetragen.

Nachtrag, gerade im Netz gefunden: »The best teachers teach from the heart – not from the book.«

  2 comments for “Was ist eigentlich … Erfolg?

  1. 16. März 2015 at 08:53

    Du sprichst mir mit diesem Artikel aus der Seele.
    Die spannendsten Verbindungen im Leben sind die, wenn Menschen aus dem gleichen Impuls, mit der gleichen Motivation etwas vollkommen anderes tun. Du mit Deinen wunderbaren S/W Fotos und ich mit meiner verrückten Buntheit – danke liebe Heike

  2. 18. März 2015 at 00:42

    Wow ich bin beides, tief beeindruckt und gleichzeitig bestätigt in meiner Erfolgs-Definition: ERFOLG IST DAS WAS DIR GUT TUT!

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