Google-Bildersuche, Re-Design und Urheberrecht (01)

“Google hat offiziell ein Redesign seiner Bildersuche angekündigt. In Zukunft wird man nicht nur eine Liste von Thumbnails, sondern auch die Großbilder auf der eigenen Google-Seite anzeigen.” Was sich auf den ersten Blick als komfortable, nutzerfreundliche Funktion anhört (und derzeit nur über .com erreichbar ist), hat gravierende Nachteile für Urheber und Website-Betreiber.

Durch die große Vorschaudarstellung entfällt nicht nur jede Notwendigkeit, die Ursprungsseite zu besuchen.  Das Bild wird in der vollen, vom Website-Betreiber eingestellten Auflösung angezeigt. So macht der Suchmaschinengigant es überaus einfach, sich an Bildern zu bedienen und sorgt ganz nebenbei auch für unter Umständen beträchtliche Besuchereinbußen auf den Ursprungs-Websites (siehe erste Rückmeldungen im unten verlinkten Webmasterworld-Forum). Weniger Traffic und Suchergebnisse sind eine unschöne Entwicklung, ergeben sich aber aus dem  konsequenten Umgang mit eigenen (Bild)Inhalte angesichts dieser Neuerung. Grund genug, an dieser Stelle noch einmal auf ein paar Spielregeln für den Umgang mit Bildern im Netz hinzuweisen.

Kurz zusammengefasst und praxistauglich:

- Bilder nur in kleiner Auflösung einstellen. (maximal 900 px Bildbreite/72 dpi reichen völlig aus!)
- Sichtbare Wasserzeichen auf Bildern platzieren, entweder via Photoshop-Layer oder Apps. Viele Plattformen entfernen automatisch alle eingebetteten Metadaten – auch urheberrechtliche Informationen!
- Vorher überlegen, was man wo wie veröffentlicht! Angesichts zum Teil umfänglicher Rechteabtretungen via Terms of Service, die nicht nur Facebook, Instagram und Co. betreffen, sondern auch Hostingplattformen wie Blogspot, WordPress und viele mehr: Im Zweifelsfall eigene Plattformen betreiben, ob Website oder Blog – und bei einem vernünftigen Provider hosten.
- Den Webcrawlern von Google (und anderen Suchmaschinen) kann man bei Bedarf relativ einfach Hausverbot erteilen. Wer eine Indizierung seiner Bilder nicht will, kann entweder für bestimmte Bildtypen oder Verzeichnisse Zugriffsregeln definieren. Via robots.txt oder htaccess (Möglichkeiten der gezielten Umleitung inbegriffen) lässt sich der Zugriff für eigene Websites einschränken oder komplett verhindern. Links zu weiteren Informationen über diese Möglichkeit siehe unten.

Die Umleitung via htaccess auf ein Protestbild (wie in manchen Blogs bereits angeregt) halte ich persönlich für eine unglückliche Lösung – die Google-Algorithmen reagieren auf bestimmte Einförmigkeiten und “Fehler” in der Suche. Resultat sind auch hier Einbußen in der Positionierung einer Website.
Die schlauere Lösung: Inhalte liefern, die über Bilder hinaus gehen, regelmäßige Aktualisierungen inbegriffen. Insofern ist die Ergänzung z.B. einer Photographen-Website durch ein Blog eine Variante, für entsprechend Interesse zu sorgen; das schließt auch den sorgfältigen Umgang mit Metatags, SEO und Anbindung an Social Media im Sinne von “Verteilern” mit ein.

Teil 2 zur neuen Google Bildersuche: Über Bilder Dritter und damit verbundene, nicht zu unterschätzende Probleme.
Teil 3: Google – die unschöne Fortsetzung des “Bilderklaus”

Weiterführende Links:

Digitale Helfer in Sachen Wasserzeichen (04.01.2013, Image and View).
Umfängliche Informationen zu htaccess bei Selfhtml.org.
Alternativ dazu lässt sich das auch mit robots.txt machen, hier die SelfHTML-Anleitung dazu.
“Bilder aus der Google Bildersuche entfernen/löschen” (08/2011, Tagseoblog.de)

“A faster image search” (23.1.2013, Google Webmaster Central Blog)
“Google Image Search – faster, more reliable and lets the images do the talking” (24.1.2013, Google Inside Search)
“Google Bildersuche will urheberrechtlich geschützte Bilder klauen” (24.01.2013, Tagseoblog.de, Martin Mißfeldt)
“Fotoblog und die Bildersuche – Es wird anders” (25.01.2013, Blog von Monika Thon-Soun – ebenfalls mit Tipps für robots.txt)
“Google and our content” (25.01.2013, Thomas Hey’l bei Google+, zweisprachiger Beitrag)
“Bilder sind kein wertloses Allgemeingut” (26.01.2013, Tagseoblog, Martin Mißfeldt)
Protestseite “Verteidige Dein Bild” (26.01.2013, Martin Mißfeldt)
“Ist Google internetfeindlich?” (26.01.2013, NerdinSkirt)

Update 27.1.2013:
Ein Thread aus dem WebmasterWorld-Forum enthält interessante, erste Feststellungen über Content-Klau und Adsense-Einbußen durch die neue Bildersuche:
“Content theft is no langer something for scrapers and ordinary thiefs. It’s the new business model.”“I saw a 70% drop! ““min 30% traffic DOWN today with this new image layout”“50% adsense earnings down today!” … (Danke an Martin Mißfeldt für den Hinweis zu diesem Thread!)
Google Imagesearch and Content (27.01.2013, Thomas Hey’l bei Google+, zweisprachiger Beitrag)

Update 28.1.2013: 
“Verteidige Dein Bild! SEOs werfen Google Bildersuche “Content-Diebstahl” vor” (28.1.2013, tn3 Magazin)
“Juristisch heikel: Google macht seine Bildersuche größer” (28.1.2013, SpOn)
“Copyright-Falle: Google Bildersuche” (10/2012, CMBlogger)
“Harte Kritik an der Google Bildersuche” (28.01.2013, Social Secrets)
“Initiative gegen Googles Bilder-Grabscher” (28.1.2013, turi2)
“Bildersuche – erste Zahlen zum Traffic-Rückgang” (28.1.2013, blogs-optimieren.de)

Update, 29.1.2013:
“Neue Google Bildersuche: Urlaub für Webmaster?”
(25.1.2013, Philipp Klöckner auf pip.net)
“Google dreht Fotografen und ihren Webseiten den Traffic ab” (29.1.2013, Christoph Keese, Presseschauder.de)
Bilddatenverschlagwortung/IPTC-NAA-Standard (wikipedia, inkl. weitere Links dort)
“Google bedient sich an geschütztem Bildmaterial” (29.1.2013, Henning Uhle)
“Google Bildersuche verärgert Seitenbetreiber” (29.1.2013, Felix Disselhoff, meedia)
“Google Bildersuche in Österreich” (29.1.2013, Seobacklinktools)
“Hack: Wie man Google Bilder untermogeln kann” (29.1.2013, MySeoSolution, zum Stichwort redirect via htaccess)
“Google hat massives Spam-Problem durch die neue Bildersuche” (29.1.2013, Tagseoblog.de/Martin Mißfeldt)

Update 30.1.2013
“Googles großer Bilderklau” (30.01.2013, FAZ.net)
“Google: Kritik an neuer Bildersuche wächst” (30.1.2013, heise.de)
“The new Google Image Search and what it means for Webmasters” (Protect your image)
“Neue Google-Bildersuche schmarotzt” (30.1.2013, Golem.de)

Update 02.02.2013
“Bilderstreit um Google” (02.02.2013, ZDF Hyperland/Torsten Kleinz)

  17 comments for “Google-Bildersuche, Re-Design und Urheberrecht (01)

  1. 29. Januar 2013 at 17:16

    Liebe Heike Rost,
    vielen Dank für den sehr informativen Artikel und die Fleißarbeit mit all den Links! Ihr Beitrag hat mich zur Google-Selbstrecherche und daraufhin zu meinem aktuellem Blogbeitrag (http://www.peter-raffelt.de/gewaltakte/graphic_content/) animiert.

    • Heike Rost
      29. Januar 2013 at 22:12

      Bei solchen Themen muss das einfach sein: knackiger Post und fundierte Sammlung…. Freu mich schon auf Ihren nächsten Gastbeitrag, lieber Peter Raffelt! ;-)

  2. 31. Januar 2013 at 18:11

    Hi,

    da scheint sich ja jemand sehr viele Gedanken gemacht zu haben, wie man der neuen Bildersuche entgegen wirken kann :)
    Vielen Dank.
    Die Zukunft wird es zeigen, was für Bilder in der Bildersuche ( noch ) zu sehen sind

    • Heike Rost
      31. Januar 2013 at 18:32

      Mal sehen. Die Krabbler sperre ich nicht erst seit 2013 aus… Aus Gründen, wie man so schön sagt. ;-)

  3. Helmut Tholen
    7. Februar 2013 at 15:32

    Als Endverbraucher hat mich auf dem Tablet das neue Angebot bzw. die Unterschiede zum Laptop verblüfft. Ich weiß nämlich recht gerne auch, wo ein nettes Bild her kommt und in welchem Umfeld es steht. Letztlich bedeutet es ja auch, bei der Genialität der Suchalgorithmen, daß ich nicht mehr zügig sehen kann, in welchem Verhältnis ein Bild zu meiner Suche steht.

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