Google – die unschöne Fortsetzung des „Bilderklaus“

Nutzer von Google+ werden es in den letzten Tagen sicherlich in ihrem Stream gesehen haben: Bilderalben aus Events können jetzt komplett herunter geladen werden. Was auf den ersten Blick ein tolles Feature zu sein scheint und so manchen Nutzer begeistert, hat aus Urhebersicht einige üble Haken:

Nach Rückmeldungen in den Kommentaren zum unten verlinkten Google-Beitrag (u.a. von UK Photography Community) ist es nicht möglich, die Fotos einzeln oder komplett für den Download zu sperren. Selbst für Ersteller von Events und Alben scheint diese Option schlicht nicht vorhanden zu sein. Darüber hinaus – und das ist leider ein altbekanntes Problem vieler Plattformen des Sozialen Netzes – werden beim Download aus Google+/Picasa offenbar auch sämtliche ins Bild eingebetteten Informationen entfernt – darunter nicht nur Kamera- und Objektivdaten, sondern auch alle weiteren ins Bild eingebetteten Informationen wie z.B. Urheber, rechtlicher Status des Bildes etc.

Dabei ergibt die Funktion durchaus unterschiedliche Ergebnisse: Bei durch den Nutzer erteilter Genehmigung zum Download in voller Auflösung erscheinen durchaus einige eingebettete Daten – wenn man die Bilddateien z.B. mit Photoshop öffnet und dann in die Tiefen der Metadaten vorstößt. Kopiert man hingegen die Bilddatei auf den eigenen Desktop (via „Bild speichern“ oder „drag and drop“), tauchen in den IPTC-Feldern keinerlei eingebettete Informationen mehr auf. Nutzerfreundlich, sprich einfach erkennbar und geeignet zur Vermeidung von Urheberrechtsverletzungen ist das alles nicht.

Darüber hinaus ist gemäß deutschem Urheberrechtsgesetz die Entfernung urheberrechtlicher Informationen aus Werken strafbar. Ganz abgesehen davon, dass aufgrund fehlender EXIF-Daten (und nachträglich im IPTC/NAA-Standard eingebetteter Informationen) der Nachweis über eine Urheberschaft erschwert bis komplett verhindert wird. Diese neuen „Features“ widersprechen nicht nur Googles gerne zitiertem eigenen Grundsatz „Don’t be evil“, sondern auch der Vorstellung eines nutzerfreundlichen, freiheitlichen Netzes, wie sie Google in der unterirdisch populistischen Kampagne gegen das Leistungsschutzrecht propagiert.

Weiterführende Links:

Die Ankündigung der Download-Funktion bei Event-Alben (Google+) (Kommentare dazu lesen lohnt sich!)
Da der obige Link temporär nicht funktioniert, anbei ein Link auf einen weiteren Beitrag eines Nutzers von Google+.
Die Kampagne von Michael Schilling „Verteidige Dein Bild“ zur Google Bildersuche

Aus meinem Blog: Über die Probleme der Google Bildersuche – Teil 1/Urheberrecht und Teil 2/Drittbilder und Lizenzprobleme

  5 comments for “Google – die unschöne Fortsetzung des „Bilderklaus“

  1. 14. Februar 2013 at 09:35

    Guter Hinweis und eine Frage: Es ist zwar mit etwas mehr Aufwand verbunden, aber wenn ich das Bild jeweils mit einem Wasserzeichenbild verschmelze, in dem die Urheberdaten hinterlegt sind, dürfte dies doch eigentlich nicht zu entfernen sein, ohne dabei das eigentliche Bild zu zerstören. Oder täusche ich mich da?

    • Heike Rost
      14. Februar 2013 at 09:40

      Keine Ahnung, das ist IMHO eine Frage für Steganografie-Spezialisten. Vielleicht liest ja einer hier mit.

  2. 14. Februar 2013 at 20:25

    Hm, nun ist es Abend und sonst hat sich keiner hier blicken lassen…..merkwürdig….

  3. Alex
    16. Oktober 2013 at 01:44

    In der schnelllebigen Welt des WWW ändert sich ständig etwas. So auch in diesem Fall.
    Event-Alben können auch weiterhin im jeweiligen Event bei G+ heruntergeladen werden. Jedoch sind jetzt nur noch Bilder enthalten, deren Eigentümer auch den Download der Bilder in den G+ Einstellungen gestattet haben.

    @Christoph: Im Prinzip hast du recht. Das Wasserzeichen ist mit dem Bild „verschmolzen“. Aber wenn es bspw. in einer Ecke angebracht ist, kann man das Bild relativ einfach zuschneiden und schon ist das Wasserzeichen verschwunden. Oder man macht sich etwas mehr Mühe und führt eine Bildmanipulation (Retusche u.ä.) durch.

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