Google Bildersuche (02): Bilder Dritter, Lizenzierung und Probleme

Auf ein nicht zu unterschätzendes Problem der neuen Google Bildersuche macht Thomas Hey’l, Mitglied des Deutschen Webmaster-Hilfeforums, gerade bei Google+ aufmerksam: Wer nur die Genehmigung zur Veröffentlichung von Bildern Dritter auf seiner eigenen Website hat (mit verpflichtender Urhebernennung via Lizenzierung), dem bleibt wohl nur übrig, diese Bilder via robots.txt zu sperren. Denn in der Bildersuche fehlt der Hinweis auf den Urheber – ein glatter Verstoß gegen das Urheberrecht und entsprechende Vereinbarungen mit dem Website-Betreiber.

Dass die nach IPTC/NAA-Standard ins Bild eingebetteten EXIF-Daten zwar von Google zum Teil ausgelesen, aber weder in der Bildersuche am Bild angezeigt werden noch via Suchmaschine auffindbar sind, ist ein weiteres Problem für Urheber: Auch Lizenzierungsregelungen und Nutzungsbedingungen in den EXIF-Daten sind so schlicht “unsichtbar”.

Vorsicht auch bei Bildern, die Personen zeigen! Wer die Zustimmung der Abgebildeten für die Veröffentlichung ausschließlich auf der eigenen Website oder im eigenen Blog besitzt, sollte diese Bilder für die Bildersuche sperren – aufgrund der komplexen Probleme mit der Bilddarstellung via Hotlink und Vollansicht. Es in den geschilderten Fällen einfach darauf ankommen zu lassen, könnte ein teures Vergnügen für den Betreiber der Website werden. (Anmerkung: Bilder via noindex und robots.txt nachträglich aus den Google Suchergebnissen zu entfernen, ist zwar möglich, kann aber Wochen bis Monate dauern!)

Der Komplettheit halber an dieser Stelle auch noch einmal der Verweis auf das Thumbnail-Urteil des BGH, der in seinem Urteil zu dem Ergebnis kommt, dass Google „aufgrund einer Einwilligung der Klägerin zu der beanstandeten Nutzung der Werke in den Vorschaubildern berechtigt war“. In der Argumentation stützt sich der BGH einerseits auf die von der Künstlerin vorgenommene Suchmaschinenoptimierung, zum anderen aber auch auf die fehlende robots.txt, mit der die Klägerin Google an der Indizierung der Bilder hätte hindern können. Mehr dazu bei Telemedicus, siehe unten.

Übrigens kann man mit dem Leistungsschutzcheck von opendatacity hervorragend überprüfen, ob die robots.txt zum Aussperren der Bildersuchbots von Google und Bing auf der eigenen Webpräsenz sauber konfiguriert ist: Die Schaltfläche “Kurz und bündig” meldet nach Eingabe der Website-Adresse, dass Einschränkungen vorhanden sind. Die zweite Schaltfläche “Ausführlich” gibt vier Meldungen aus, darunter die gesperrte Bildersuche. Und der Button “Pedantisch genau” listet die verwendeten Regeln auf.

Zu Teil 1: “Google Bildersuche, Redesign und Urheberrecht”
Teil 3: Google – die unschöne Fortsetzung des “Bilderklaus”

Weiterführende Links:
Thomas Hey’l bei Google+ zur Problematik “Nutzung von Bildern Dritter auf Websites”(zweisprachig deutsch/englisch)
Der Leistungsschutzcheck bei opendatacity.de
Telemedicus zur Thumbnail-Entscheidung des BGH (kommentiertes Urteil).
“Google und Bing: Bilderklau durch die Große-Bilder-Suchmaschinen” (30.1.2013, RechtamBild.de, Sebastian Dosch)

Update 04.02.2013
Erste Zahlen zum Stichwort “Traffic-Rückgang” liefert dieser interessante Netzschnipsel: Die Screenshots der Visitor-Entwicklung bei pixabay.com (eine Plattform für rechtefreie Bilder) zeigen einen signifikanten Knick – zeitgleich mit dem Start der neuen Bildersuche. (Erklärt bei SEO-united.de, 04.02.2013)
“Dreist und dumm: die neue Google Bildersuche” (04.02.2013, Stefan Niggemeier)

>>Lange nicht mehr kam bei mir so viel Fremdschämen auf wie beim Lesen diverser Verweise auf die robots.txt. Liebe Leute, die ihr das für eine Option haltet: Ihr lebt in einem Rechtsstaat. In einem solchen darf Mensch sich darauf verlassen, dass zugesicherte Rechte ihm auch erhalten bleiben, ohne dass er für jeden möglichen Angreifer eine eigene Abwehrstrategie entwirft.<< Zitiert aus einem Kommentar im DSLR-Forum.

Update 18.02.2013
Einen umfangreichen Pressespiegel gibt es auf der Seite “Verteidige Dein Bild”. Darunter auch die interessante Einschätzung von Medienrechtler Prof. Dr. Thomas Hoeren, der die Bildersuche für “urheberrechtlich sehr bedenklich” und “für eine Bedrohung von Fotografen” hält.(Quelle: Podcast von Deutschlandradio Kultur, 18.2.2013)

  1 comment for “Google Bildersuche (02): Bilder Dritter, Lizenzierung und Probleme

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


*